Simphonie
1778Ruhe! - die Gräber erbeben; Ruhe! - und heftig hervor Stürzt aus der Ruhe das Leben, Strömt aus sich selbsten empor Die Menge, vereinzelt im Chor.
Schaffend eröffnet der Meister Gräber - Geborener Tanz Schweben die tönenden Geister; Schimmert im eigenen Glanz Der Töne bunt wechselnder Kranz.
Alle in einem verschlungen, Jeder im eigenen Klang, Mächtig durchs Ganze geschwungen, Eilet der Geister Gesang Gestaltet die Bühne entlang.
Heilige brausende Wogen, Ernst und wollüstige Glut Strömet in schimmernden Bogen, Sprühet in klingender Wut Des Geistertanz silberne Flut.
Alle in einem erstanden, Sind sie sich selbst nicht bewußt Daß sie sich einzeln verbanden; Fühlt in der eigenen Brust Ein jeder vom Ganzen die Lust.
Aber im inneren Leben Fesselt der Meister das Sein; Läßt sie dann ringen und streben; Handelnd durcheilet die Reihn Das Ganze im einzelnen Schein.
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Interpretation
Das Gedicht "Simphonie" von Clemens Brentano ist eine lebendige und dynamische Darstellung der Schöpfung und des Zusammenspiels von Musik und Leben. Es beginnt mit einer Aufforderung zur Ruhe, die abrupt durch das Erwachen des Lebens unterbrochen wird. Dieses Erwachen wird als ein mächtiger Ausbruch aus der Stille beschrieben, bei dem sich eine Menge von Geistern in einem Chor vereint. Der Meister, der Schöpfer, eröffnet neue Gräber und entfesselt einen Tanz der Geborenen, bei dem die Geister schweben und in ihrem eigenen Glanz erstrahlen. Die Töne bilden einen bunten Kranz, der die Vielfalt und Schönheit der Musik symbolisiert. In der zweiten Strophe wird die Komplexität und Harmonie der Musik weiter vertieft. Alle Geister sind in einem verschlungen, behalten aber ihre individuelle Klangfarbe. Sie sind mächtig durch das Ganze geschwungen und ihr Gesang gestaltet die Bühne entlang. Die Musik wird als heilige, brausende Wogen beschrieben, die sowohl ernst als auch wollüstig sind. Sie strömt in schimmernden Bogen und sprüht in klingender Wut, was die Intensität und Leidenschaft der Musik unterstreicht. Die silberne Flut des Geistertanzes symbolisiert die Reinheit und Eleganz der Musik. Die letzte Strophe bringt eine Reflexion über die Natur des Lebens und der Musik. Alle Geister sind aus einem Ganzen entstanden, sind sich aber ihrer individuellen Existenz nicht bewusst. Jeder fühlt in seiner eigenen Brust die Lust vom Ganzen, was die Einheit und Vielfalt des Lebens und der Musik betont. Der Meister fesselt das Sein im inneren Leben und lässt die Geister ringen und streben. Durch Handeln und Streben durchwandern sie die Reihen und das Ganze erscheint im einzelnen Schein, was die Individualität und Einzigartigkeit jedes Geistes hervorhebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ruhe! - die Gräber erbeben; Ruhe! - und heftig hervor
- Bildsprache
- klingender Wut
- Chiasmus
- Alle in einem erstanden, Sind sie sich selbst nicht bewußt
- Hyperbel
- Mächtig durchs Ganze geschwungen
- Kontrast
- Alle in einem verschlungen, Jeder im eigenen Klang
- Metapher
- Handelnd durcheilet die Reihn
- Paradox
- Sind sie sich selbst nicht bewußt, Daß sie sich einzeln verbanden
- Personifikation
- die Gräber erbeben