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Schwalbenwitz

Von

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch,
Himmel und Erde sind sich gleich.
Spricht der Himmel: Werde!
Da grünt und blüht die Erde!
Spricht die Erde: Sterbe!
Da wird der Himmel ein lachender Erbe.
Sterne sah ich blinken und sinken,
Den Mond in der Sonne ertrinken,
Die Sonne stieg in die Meere,
Ohne dass sich ein Fünklein verlöre.
Feuer und Wasser hassen sich,
Erde und Wasser umfassen sich,
Luft und Feuer entzünden sich,
Erde und Feuer ersticken sich,
Erde und Luft umkühlen sich,
Luft und Wasser umspielen sich,
Aber alles ist Liebe, Liebe, Liebe
Und wenn sich alles empörte, verzehrte, verschlänge,
Dass gar nichts bliebe, bliebe doch Liebe
Die Hülle, die Fülle, die Menge.

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Gedicht: Schwalbenwitz von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Schwalbenwitz“ von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Reflexion über die Einheit und Vergänglichkeit des Lebens, verpackt in einem scheinbar spielerischen Ton. Der Titel selbst, „Schwalbenwitz“, deutet auf eine Leichtigkeit und Flugfähigkeit hin, die dem Gedicht innewohnt. Es bewegt sich zwischen der Beobachtung kosmischer Phänomene und der philosophischen Schlussfolgerung, dass alles im Kern von Liebe getragen wird.

Das Gedicht beginnt mit einem biblisch anmutenden „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“, wodurch eine feierliche Atmosphäre geschaffen und die folgende Aussage – die Gleichheit von Himmel und Erde – mit Autorität versehen wird. Diese Gleichheit wird durch die wechselseitige Beziehung zwischen Himmel und Erde verdeutlicht: Der Himmel gebietet Leben („Werde!“), und die Erde gehorcht, während die Erde den Tod fordert, und der Himmel – als Erbe – lacht darüber. Dieser Kreislauf von Werden und Vergehen, von Leben und Tod, wird durch die Beobachtung von Sternen, Mond und Sonne fortgesetzt, die in einem ewigen Tanz von Aufstieg und Untergang verweilen. Die scheinbare Zerstörung führt dabei jedoch nicht zum Verlust, sondern zu einer Transformation.

Im zweiten Teil des Gedichts werden die vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde und Luft – in ihren Gegensätzen und Beziehungen beschrieben. Brentano zeigt, wie sich die Elemente widersprechen, anziehen und bekämpfen. Feuer und Wasser hassen sich, Erde und Wasser umfassen sich, und so weiter. Diese Gegensätze deuten auf die Dynamik und das Wechselspiel des Lebens hin, in dem Zerstörung und Erneuerung untrennbar miteinander verbunden sind. Trotz dieser Vielfalt an Interaktionen und Gegensätzen kommt Brentano zu dem Schluss, dass „alles ist Liebe, Liebe, Liebe“.

Die abschließenden Verse intensivieren diese Aussage noch. Selbst wenn sich alles empören, verzehren und verschlingen würde, selbst wenn nichts mehr übrig bliebe, so bliebe doch die Liebe. Sie wird zur Substanz, zur Hülle, zur Fülle, zur Menge – zum Fundament, auf dem alles aufgebaut ist und in das alles wieder zurückkehrt. Die scheinbare Zerstörung und das Chaos, die durch die Elementarwelt dargestellt werden, sind also letztlich nur Ausdruck der allumfassenden Liebe. Das Gedicht ist somit eine Ode an die Ewigkeit der Liebe, die alles transzendiert und überdauert, auch den Tod.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.