Schwanenlied
1812Im Mondschein zu singen
Steigst du aus der Berge Kluft Still und hehr empor, Hüllest Thal und Hain und Luft Leis′ in Silberflor?
Zeigst mit sanftgebroch′nem Licht Was dem Blick entschwand, Hüllst in stilles Dämmerlicht, Was das Herz empfand?
Ach dein Silberflor verhüllt Den bethränten Blick, Und ein mild′res Lebensbild Strahlt aus ihm zurück.
Was mit rauh-verworr′nem Ton Mir das Herz zerriß, Hüllt die duft′ge Fernung schon Tief in Finsterniß.
Leiser faßt die rauhe Hand Meines Weh′s mich an. Und der hehren Hoffnung Land Glänzt am Ziel der Bahn.
Ward ich d′rum so sehr betrübt, Weil ich Treu′ geglaubt? Armes Herz, hast ausgeliebt, Bist du des Schmucks beraubt!
Fall′, o Blüthenregen hin, In der Wehmuth Schooß; Frühlingslust und Flattersinn, Glücklich Lebensloos
Diese Blüthe sank herab, Meine Thrän′ hinein - Treue blüht doch bis ins Grab, Hellt den Abendschein!
Kaum in Mitte deiner Bahn, Stehst du schon allein. Muthig! kühn den Fels hinan, Dort wird′s besser seyn!
Ach vom Felsen blick′ ich weit In die Öd′ hinein! Künft′ge und vergang′ne Zeit Trägt das Herz herein!
Hülle mich in deine Nacht, Silberdämm′rung, ein! Ach des Schmerzens ganze Macht Dringet auf mich ein.
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Interpretation
Das Gedicht "Schwanenlied" von Friederike Sophie Christiane Brun thematisiert die Themen Liebe, Treue und Hoffnung inmitten von Schmerz und Verlust. Der Mond wird als Symbol für Trost und Verklärung der Vergangenheit dargestellt, der die rauen Realitäten des Lebens in ein sanfteres Licht taucht. Das lyrische Ich reflektiert über vergangene Enttäuschungen und den Verlust der Unschuld, findet aber dennoch einen Funken Hoffnung in der Treue, die bis über den Tod hinaus Bestand hat. Die Naturmetaphern, wie der "Blüthenregen" und der Felsen, symbolisieren den Zyklus des Lebens und die Möglichkeit, trotz Widrigkeiten voranzukommen. Im letzten Strophenabschnitt sucht das lyrische Ich Zuflucht in der "Silberdämmrung", um sich vor der vollen Macht des Schmerzes zu schützen. Das Gedicht endet mit einem ambivalenten Gefühl, das sowohl die Sehnsucht nach Trost als auch die unausweichliche Konfrontation mit dem eigenen Leid ausdrückt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sanftgebroch′nem Licht
- Metapher
- Silberdämm′rung
- Personifikation
- Schmerzens ganze Macht
- Rhetorische Frage
- Ward ich d′rum so sehr betrübt, Weil ich Treu′ geglaubt?