Laß rauschen Lieb, laß rauschen
(Mündlich)
Ich hört ein Sichlein rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn,
Ich hört ein Mägdlein klagen,
Sie hätt ihr Lieb verlorn.
Laß rauschen Lieb, laß rauschen,
Ich acht nicht, wie es geht,
Ich tät mein Lieb vertauschen
In Veilchen und im Klee.
Du hast ein Mägdlein worben
In Veilchen und im Klee,
So steh ich hier alleine,
Tut meinem Herzen weh.
Ich hör ein Hirschlein rauschen
Wohl rauschen durch den Wald,
Ich hör mein Lieb sich klagen,
Die Lieb verrauscht so bald.
Laß rauschen, Lieb, laß rauschen,
Ich weiß nicht, wie mir wird,
Die Bächlein immer rauschen,
Und keines sich verirrt.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Laß rauschen Lieb, laß rauschen“ von Clemens Brentano entfaltet eine melancholische Stimmung, die von Verlust und der Vergänglichkeit der Liebe geprägt ist. Der Text ist durchzogen von dem wiederkehrenden Motiv des Rauschens, das sowohl die Natur als auch die Emotionen der Figuren widerspiegelt. Das Rauschen des Baches wird mit dem Verlust der Liebe in Verbindung gebracht, wodurch eine Atmosphäre der Trauer und des Abschieds erzeugt wird.
Die Struktur des Gedichts ist in vier Strophen unterteilt, die jeweils durch eine Beobachtung und die Reaktion darauf gekennzeichnet sind. Zunächst wird das Rauschen eines Baches und die Klage eines Mädchens wahrgenommen, das seinen Geliebten verloren hat. Der zweite Vers der ersten Strophe lautet „Ich acht nicht, wie es geht“, als ob die Person, die spricht, über den Verlust des Mädchens hinwegsehen würde. Die zweite Strophe präsentiert die Entdeckung der „Veilchen“ und des „Klee“ als Zeichen für die Liebe, aber auch für die Ablehnung, die diese Liebe mit sich bringt. Dies signalisiert, dass die Natur und die Elemente des Gedichts metaphorisch für die verschiedenen Facetten der Liebe stehen – ihre Schönheit, ihre Unbeständigkeit und die damit verbundene Trauer.
Die zweite Hälfte des Gedichts intensiviert die Thematik des Verlusts. Das Rauschen eines Hirsches, das durch den Wald zieht, und die erneute Klage der verlorenen Liebe verdeutlichen die Allgegenwart des Schmerzes. Die Zeile „Die Lieb verrauscht so bald“ unterstreicht die flüchtige Natur der Liebe und die schmerzhafte Erkenntnis, dass sie genauso schnell vergehen kann wie das Rauschen des Windes. Die abschließenden Zeilen legen ein resigniertes Verständnis nahe. Die Frage, „Ich weiß nicht, wie mir wird“ deutet auf eine gewisse Verwirrung und Hilflosigkeit angesichts der Unberechenbarkeit der Liebe hin.
Brentano verwendet eine einfache, volksliedhafte Sprache, um die emotionale Wirkung des Gedichts zu verstärken. Die Wiederholung des Refrains „Laß rauschen Lieb, laß rauschen“ erzeugt einen rhythmischen Sog, der die Melancholie des Gedichts verstärkt. Die Metaphern des Rauschens und der Natur – das Korn, der Wald, die Bächlein – veranschaulichen die Vergänglichkeit der Liebe und die natürliche Ordnung, in der sie sich ereignet, selbst wenn sie schmerzhaft ist. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Sehnsucht nach Liebe, verbunden mit der Erkenntnis, dass Liebe ebenso flüchtig wie das Rauschen eines Baches oder die Bewegung im Wind sein kann.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.