La Vierge aux Rochers
1817Dicht von Felsen eingeschlossen, Wo die Jordansquellen gehn, Wo die stillen Blumen sprossen, Ist Johannes hier zu sehn.
Sinnend, in die Ferne zeigend Sitzt er an der Quelle Rand Und sein Engel lenket schweigend Nach demselben Ziel die Hand.
Und wir sehen bei ihm knien, Die er nur prophetisch schaut, Jesum Christum und Marien, Kirche, Bräutigam und Braut.
Jesus beugt sich schon entgegen Händefaltend jener Flut, Die auf unbereiten Wegen Jetzt noch Sklavendienste tut.
Prüfend ihre Hand ausstrecket Schon des heiligen Geistes Braut, Ob, der sie zuerst erwecket, Ob der Segen niedertaut.
Und der Felsen und die Blume Und die Quelle ahnden still, Daß zu seinem Heiligtume Gott sie all gebrauchen will.
Auf den Fels die Kirche bauen, Mit der Flut uns waschen rein, Und der Lilie will vertrauen, Wie er liebt das Jungfräulein.
Sieh, ein jedes tut das seine, Und so laß uns Buße tun, Bis zum Bau vereint wir Steine All am siebten Tage ruhn.
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Interpretation
Das Gedicht "La Vierge aux Rochers" von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Reflexion über die christliche Ikonographie und die Verbundenheit von Natur und göttlicher Offenbarung. In einer felsigen Landschaft, die an die Quellen des Jordan erinnert, wird Johannes der Täufer dargestellt, wie er sinnend in die Ferne blickt und auf das Kommen Jesu und Marias hinweist. Der Engel an seiner Seite lenkt schweigend die Aufmerksamkeit auf dasselbe Ziel, was die Einheit und Harmonie der göttlichen Botschaft unterstreicht. Die Szene wird durch die Anwesenheit von Jesus und Maria bereichert, die Johannes prophetisch sieht. Jesus beugt sich bereits dem Wasser zu, das noch "Sklavendienste" verrichtet, was auf seine zukünftige Rolle in der Taufe und der Erlösung hinweist. Maria, als die Braut des Heiligen Geistes, prüft das Wasser, ob der Segen auf sie niedertaut, was ihre Rolle in der Inkarnation und ihre Reinheit symbolisiert. Die Natur – Felsen, Blumen und Quelle – ahnt still, dass Gott sie alle für sein Heiligtum gebrauchen will, was die Einheit von Schöpfung und Erlösung betont. Das Gedicht schließt mit einem Aufruf zur Buße und zur Einheit im Bau des geistlichen Tempels, der auf dem Felsen errichtet wird. Die Bilder des Waschens mit Wasser und des Vertrauens auf die Lilie (ein Symbol für Marias Reinheit) unterstreichen die Notwendigkeit der Reinigung und des Glaubens. Am siebten Tag, dem Tag der Ruhe und Vollendung, sollen alle Steine vereint ruhen, was auf die Vollendung des Heilsplans und die ewige Ruhe in Gott hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sinnend, in die Ferne zeigend
- Anspielung
- Daß zu seinem Heiligtume Gott sie all gebrauchen will
- Bildlichkeit
- Händefaltend jener Flut
- Metapher
- Bis zum Bau vereint wir Steine
- Parallelismus
- Kirche, Bräutigam und Braut
- Personifikation
- Wo die Jordansquellen gehn
- Symbolik
- Auf den Fels die Kirche bauen