Ich hab das Lämplein angesteckt…
Ich hab das Lämplein angesteckt
Zum langen Angedenken,
Und wenn mich kühle Erde deckt,
Mag Kind und Enkel denken:
Der Vater ruht im Tale aus,
Und kömmt nicht mehr ins stille Haus.
Lischst du o Herr mein stilles Licht,
Das tief herab schon brennet,
Und werd vor deinem Angesicht
Ich nur ganz rein erkennet,
So geht mit Freude angetan
Erst recht mein schönstes Leuchten an.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Ich hab das Lämplein angesteckt…“ von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Meditation über das Andenken, die Vergänglichkeit des Lebens und die Hoffnung auf Erlösung. Das „Lämplein“, das angezündet wird, steht symbolisch für das Andenken und die Erinnerung, die der Dichter der Nachwelt hinterlassen möchte. Es ist ein Zeichen der Verbundenheit, das über den Tod hinaus Bestand haben soll, eine Art Vermächtnis. Die ersten vier Verse etablieren diesen Wunsch nach bleibender Erinnerung und der Hoffnung, in den Herzen der Nachkommen weiterzuleben.
Die Zeilen „Und wenn mich kühle Erde deckt, / Mag Kind und Enkel denken:“ sprechen von der Sterblichkeit und dem unvermeidlichen Tod. Doch anstatt in Resignation zu verfallen, findet der Dichter Trost in der Vorstellung, durch die Erinnerung an ihn in der Welt der Lebenden weiter zu existieren. Die kühle Erde, die ihn bedecken wird, wird somit zu einem Moment der Ruhe, wissend, dass sein Geist und sein Andenken fortleben werden. Dies unterstreicht die Bedeutung der menschlichen Verbindungen und die Kraft der Erinnerung, die über den Tod hinausreicht.
Der zweite Teil des Gedichts, beginnend mit „Lischst du o Herr mein stilles Licht…“, nimmt eine religiöse Wendung. Hier wendet sich der Dichter an Gott und bittet um die Erleuchtung seines „stillen Lichts“. Dieses Licht kann als die Seele des Dichters interpretiert werden, die sich nach Reinheit und Erleuchtung sehnt. Die Bitte, „vor deinem Angesicht / Ich nur ganz rein erkennet“ zu werden, offenbart den Wunsch nach göttlicher Gnade und der Hoffnung, in der Ewigkeit angenommen zu werden.
Die abschließenden Verse drücken die Hoffnung auf ein ewiges Leuchten aus, das aus der Vereinigung mit Gott hervorgehen wird. Das irdische „Lämplein“, das angezündet wurde, findet seine Vollendung in der göttlichen Gnade. Die Freude, mit der der Dichter dieses „schönste Leuchten“ erwartet, zeigt die tiefe Glaubenszuversicht und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Brentanos Gedicht ist somit ein bewegender Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach Erinnerung, Erlösung und dem ewigen Leben.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.