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Herr, dir sei Lob und Dank…

Von

Herr, dir sei Lob und Dank,
Um immer mich zu finden,
Willst du mich müd und krank
Hier an mein liebes Schmerzensbettlein binden,
Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!

Dein Will geschah′ an mir,
Gib nur Geduld, dann strafe,
Ich bin verschuldet dir,
Sei ich dein freies Kind, sei ich dein Sklave,
Ach, nur dein Will gescheh′ an mir!

Herr! wie es dir gefällt
Willst du aufs Kreuz mich legen,
Sei ich ans Kreuz gestellt,
Geh kreuzbeladen, Herr, ich dir entgegen,
Ach alles, wie es dir gefällt.

Treu hast du mich geliebt,
Denn, könnt ich dir entfliehen,
Ich hätt dich oft betrübt,
So konntest du mich besser dir erziehen,
Wie treu, Herr, hast du mich geliebt.

Wie ständ es wohl mit mir?
Könnt ich wie andre Kinder
Mich tummeln voll Begier.
Sind andre blind, ach Herr, ich wär noch blinder,
Ach Herr, wie ständ es dann mit mir.

O Herr, wie lieb und gut,
Um viele Liebe zu erwecken,
Wollt′st du mich junges Blut
Als Quell des Mitleids auf das Lager strecken,
O Herr, wie bist du lieb und gut.

Du hast mich heimgesucht,
Gott Dank, daß ich hier liege,
Herr, meiner Leiden Frucht
Lehrt mich mein Engel an der Schmerzenswiege.
Willkomm, Herr, der mich heimgesucht.

Herr! du bedienst dich mein;
Gar manche Trostesworte,
Worin der Name dein
Das Süßste mir, erklingen hier am Orte,
O Freude, du bedienst dich mein!

Wie′s ist, so ist es recht,
So schwach, mühselig, schwankend
Von Epheu ein Geflecht
Vom Kreuz gestützt, zum Licht sehnsüchtig rankend.
Herr, wie es ist, ist′s recht!

Herr, wär ich fromm und reich
An Demut und an Schmerzen,
Ich wucherte sogleich,
Gäb allen Trost dir hin und litt von Herzen,
Und litt mich fromm und reich.

O himmlische Geduld,
Du kannst mit Schmerzen zahlen,
Nimm auf mein Leid mit Huld,
Ich opfre es vereint mit deinen Qualen.
Sei bei mir, himmlische Geduld.

Die lieben Röschen all
Und große süße Rosen,
Des Freundes Seufzerschall
Schneid ich für Dornen mir aus deinen Rosen,
Nimm dir dein Röschen ganz und all!

Wie wär ich doch so arm
Und könnte nichts verdienen,
Wär mir an deinem Arm
Nicht Lieb und Schmerz und die Geduld erschienen.
Ach, Herr! wie wär ich dann so arm!

Das Röschen, Herr, ist dein;
Könnt laufen ich und hüpfen,
Manch Rosenblättchen fein
Könnt in den Wind hinwehend dir entschlüpfen.
Allein jetzt ist das Röschen dein.

Berührt von Gottes Hand
Treibt mich ein still Entzücken
Am Kreuz empor; zum Pfand
Der Liebe will vielleicht mein Herr mich pflücken.
Dann blüh ich neu in Jesu Hand.

Dir will das Röschen blühn,
Du Haupt voll Blut und Wunden,
Wie seh ich dich erglühn,
Du Bräutigam, von Dornen ganz umwunden,
Dir will das Dornenröschen blühn.

Du hast dein Röschen scharf
Mit Dornen rings versehen,
Daß keiner nahen darf
Als du, der weiß mit Dornen umzugehen,
Du hütest, Herr, dein Röschen scharf.

So ließ ein Pilger einst
Dich Dornenröschen reden,
Wenn du so leiden lernst,
Dann kannst du zu den Wunden Jesu beten
Für alle und den Pilger ernst!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Herr, dir sei Lob und Dank... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Herr, dir sei Lob und Dank…“ von Clemens Brentano ist eine tiefgründige und persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben, dem Leiden und der Hingabe an Gott. Es offenbart eine innige Beziehung des lyrischen Ichs zu Gott, die durch Dankbarkeit, Ergebenheit und die Akzeptanz des Schmerzes geprägt ist. Das Gedicht ist in einer Reihe von Strophen aufgebaut, die jeweils eine Facette dieser Beziehung beleuchten und so ein komplexes Bild der Frömmigkeit zeichnen.

Die zentrale Thematik des Gedichts ist die bedingungslose Unterwerfung unter Gottes Willen. Das lyrische Ich drückt in fast jeder Strophe Dankbarkeit für Gottes Führung aus, selbst wenn diese mit Leid und Schmerz einhergeht. Die wiederholte Verwendung von Ausdrücken wie „Dein Will geschah an mir“ und „alles, wie es dir gefällt“ unterstreicht die Bereitschaft, Gottes Pläne zu akzeptieren und sich ihm ganz hinzugeben. Das lyrische Ich sieht das Leiden nicht als Strafe, sondern als einen Weg der Läuterung und der Annäherung an Gott.

Ein wichtiges Bild, das sich durch das Gedicht zieht, ist das des „Röschens“, das metaphorisch für das lyrische Ich steht. Dieses Röschen wird von Gott mit Dornen geschützt, was symbolisch für die Leiden des Lebens steht. Doch gerade durch diese Dornen wird die Beziehung zu Gott intensiviert, da sie das lyrische Ich vor weltlichen Ablenkungen bewahren. Am Ende des Gedichts blüht das Röschen, und das lyrische Ich findet Trost und Erfüllung in der Vereinigung mit Gott, die durch die „Wunden Jesu“ symbolisiert wird.

Brentanos Sprache ist von einer tiefen Emotionalität und einem ausgeprägten Sinn für das Religiöse geprägt. Die Verwendung von Anreden an „Herr“ und die wiederholte Betonung von Dankbarkeit und Liebe schaffen eine Atmosphäre der Intimität und des Gebets. Die Reihung von Fragen und Aussagen reflektiert die tiefe Nachdenklichkeit des Sprechers und die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und dem Glauben. Die einfache, aber eindringliche Sprache verstärkt die Wirkung des Gedichts und macht die Botschaft von Hingabe und Akzeptanz besonders berührend.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gedicht eine Hommage an die christliche Frömmigkeit darstellt, in der das Leiden als notwendiger Bestandteil des Glaubens gesehen wird. Durch die bedingungslose Unterwerfung unter Gottes Willen, die Dankbarkeit für Gottes Führung und die Akzeptanz des Leidens findet das lyrische Ich Trost und Erlösung. Das Gedicht ist ein berührender Ausdruck des Vertrauens in Gott und der Hoffnung auf ewige Vereinigung.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.