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Es senke sich ein leiser Traum hernieder…

Von

Es senke sich ein leiser Traum hernieder
Der ihr der eignen Schönheit Gürtel löst
Und sanften Blicks mit schmeichelndem Gefieder
Des eignen Herzens Fülle ihr entblößt.
Im leichten Spiel küss′ sie der eignen Lieder
Gestalten, und der leise Kuß erlöst
Die Blume von der Träne die sie drücket
Daß sie zum Grabe müd sich bücket.

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Gedicht: Es senke sich ein leiser Traum hernieder... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Es senke sich ein leiser Traum hernieder…“ von Clemens Brentano ist eine melancholische Betrachtung über die Vergänglichkeit und die Selbstwahrnehmung der Schönheit. Das lyrische Ich wünscht der angesprochenen Person, dass ein sanfter Traum sie heimsucht, der ihre Aufmerksamkeit auf ihre eigene Schönheit und die damit verbundene Fragilität lenkt. Die Sprache ist bildhaft und verwendet Metaphern, um die innere Welt der Person zu beschreiben.

Der erste Teil des Gedichts konzentriert sich auf die Entdeckung der eigenen Schönheit. Der „leise Traum“ soll den „Gürtel“ der Schönheit lösen, was symbolisch für das Ablegen von äußerlichen Zwängen und eine Hinwendung zum Inneren steht. Durch den „sanften Blick“ und das „schmeichelnde Gefieder“ wird die „eignen Herzens Fülle“ entblößt. Diese Zeilen suggerieren eine sanfte, introspektive Auseinandersetzung mit der eigenen Person und der eigenen Schönheit. Die Person soll sich ihrer selbst bewusst werden, ihre Schönheit erkennen und sie in ihrer vollen Pracht betrachten.

Im zweiten Teil des Gedichts wechselt die Stimmung von der Entdeckung zur Melancholie. Die „leichten Spiel“-Küsse der eigenen Lieder, also der eigenen Gedanken und Gefühle, befreien die „Blume“ von der „Träne“. Hier wird die Blume als Metapher für die Schönheit und die Emotionen der Person verwendet. Die Träne, die sie drückt, symbolisiert Schmerz, Leid und die Vergänglichkeit des Lebens. Durch den leisen Kuss wird die Blume von diesem Druck befreit, um sich „zum Grabe müd sich [zu] bücken“. Dies ist der Schlüssel zur Interpretation: Die Schönheit wird müde vom Leben, die Melancholie überwiegt, und das Gedicht endet mit der Erwartung des Todes.

Brentano verwendet in diesem Gedicht eine Kombination aus zarter Sprache und tiefgründigen Bildern, um die Themen Schönheit, Vergänglichkeit und Selbstwahrnehmung zu erkunden. Die Metaphern, wie die Blume und der Traum, verleihen dem Gedicht eine poetische Tiefe und laden den Leser ein, über die Bedeutung von Schönheit und die Kurzlebigkeit des Lebens nachzudenken. Die sanfte, fließende Sprache verstärkt den Eindruck der Melancholie und der Resignation, die das Gedicht durchdringen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.