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Es leben die Soldaten…

Von

Es leben die Soldaten,
So recht von Gottes Gnaden,
Der Himmel ist ihr Zelt,
Ihr Tisch das grüne Feld.

Ihr Bette ist der Rasen,
Trompeter müssen blasen,
Guten Morgen, gute Nacht,
Daß man mit Lust erwacht.

Ihr Wirtsschild ist die Sonne,
Ihr Freund die volle Tonne,
Ihr Schlafbuhl ist der Mond,
Der in der Sternschanz wohnt.

Die Sterne haben Stunden,
Die Sterne haben Runden
Und werden abgelöst,
Drum Schildwacht sei getrost.

Wir richten mit dem Schwerte,
Der Leib gehört der Erde,
Die Seel dem Himmelszelt,
Der Rock bleibt in der Welt.

Wer fällt, der bleibet liegen,
Wer steht, der kann noch siegen,
Wer übrig bleibt, hat Recht,
Und wer entflieht, ist schlecht.

Zum Hassen oder Lieben
Ist alle Welt getrieben,
Es bleibet keine Wahl,
Der Teufel ist neutral.

Bedienet uns ein Bauer,
So schmeckt der Wein fast sauer
Doch ist′s ein schöner Schatz
So kriegt sie einen Schmatz.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Es leben die Soldaten... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Es leben die Soldaten…“ von Clemens Brentano ist eine humorvolle und augenzwinkernde Hommage an das Soldatenleben. Es zeichnet ein Bild von einer scheinbar sorgenfreien Existenz, die von der Natur, dem Alkohol und der Kameradschaft geprägt ist, während es gleichzeitig die Härten und die Dualität dieses Lebensweges subtil andeutet.

Brentano verwendet einfache, volkstümliche Sprache und einen eingängigen Rhythmus, der an Trinklieder erinnert, um die scheinbare Idylle zu kreieren. Die Soldaten leben „von Gottes Gnaden“, der Himmel ist ihr Zelt, und die Natur stellt ihren Tisch und ihr Bett. Die Trompeten wecken sie, die Sonne ist ihr Wirtsschild, und die „volle Tonne“ ihr Freund. Der Mond als „Schlafbuhl“ in der „Sternschanz“ (vermutlich ein improvisiertes Nachtlager) vervollständigt das Bild. Diese Verse suggerieren eine Freiheit und Ungebundenheit, die im Kontrast zum harten Alltag des Krieges stehen.

Zwischen den Zeilen wird jedoch die Realität des Krieges nicht verschwiegen. Die Verse über die Sterne, die ihre „Stunden“ und „Runden“ haben, und die „Schildwacht“ mahnt, die Vergänglichkeit des Lebens und die Notwendigkeit der ständigen Wachsamkeit an. Die Strophen über das Sterben – „Wer fällt, der bleibet liegen“ – verdeutlichen die unerbittliche Realität des Krieges und die hohe Sterblichkeit unter Soldaten. Der letzte Vers betont die elementare Natur der menschlichen Leidenschaften, des Hassens und Liebens, sowie die Neutralität des „Teufels“ als Metapher für das unerbittliche Schicksal.

Die letzten beiden Strophen sind besonders interessant, da sie die Beziehung der Soldaten zur Zivilbevölkerung andeuten. Der Bauer, der ihnen Wein serviert, lässt den Wein fast sauer schmecken, was auf eine gewisse Abneigung gegen die Soldaten hindeutet. Im Gegensatz dazu bekommt eine „schöne Schatz“ einen „Schmatz“, was auf die Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Liebe inmitten des Krieges hinweist. Insgesamt ist das Gedicht ein vielschichtiges Porträt des Soldatenlebens, das die scheinbare Freiheit und Unbeschwertheit mit der brutalen Realität des Krieges und der menschlichen Natur verbindet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.