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Die Seufzer des Abendwinds wehen…

Von

Die Seufzer des Abendwinds wehen
So jammernd und bittend im Turm;
Wohl hör ich um Rettung dich flehen,
Du ringst mit den Wogen, versinkest im Sturm.

Ich seh dich am Ufer; es wallet
Ein traurendes Irrlicht einher.
Mein liebendes Rufen erschallet,
Du hörest, du liebest, du stürzest ins Meer.

Ich lieb und ich stürze verwegen
Dir nach in die Wogen hinab,
Ich komme dir sterbend entgegen,
Ich ringe, du sinkest, ich teile dein Grab.

Doch stürzt man den Stürmen des Lebens
Von neuem mich Armen nun zu.
Ich sinke; ich ringe vergebens,
Ach nur in dem Abgrund des Todes ist Ruh.

Da schwinden die ewigen Fernen,
Da endet kein Leben mit dir.
Ich kenn deinen Blick in den Sternen,
Ach sieh nicht so traurig, hab Mitleid mit mir!

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Gedicht: Die Seufzer des Abendwinds wehen... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Seufzer des Abendwinds wehen…“ von Clemens Brentano ist ein Ausdruck tiefster Verzweiflung und Sehnsucht nach dem Tod als Erlösung von den Stürmen des Lebens. Es entfaltet sich in einer Reihe von Bildern, die von Verlust, aussichtsloser Liebe und dem Wunsch nach Vereinigung im Tod geprägt sind. Der Abendwind, der jammernd am Turm weht, setzt den Ton für eine melancholische Atmosphäre, in der das lyrische Ich das Schicksal eines Geliebten, der im Sturm unterzugehen droht, miterlebt.

Die zweite Strophe intensiviert das Gefühl der Hilflosigkeit. Das „traurige Irrlicht“, das am Ufer erscheint, symbolisiert die Täuschung und das Verhängnis, das dem Geliebten widerfährt. Obwohl das lyrische Ich seine Liebe bekundet und versucht, den Geliebten zu retten, führt dieser letztlich ins Meer. Die Zeilen „Du hörest, du liebest, du stürzest ins Meer“ verdeutlichen die Unentrinnbarkeit des Schicksals und die Ohnmacht des liebenden Ichs, das Zeuge des Untergangs wird. Diese Szene ist ein zentrales Motiv, welches die tragische Liebe des Ichs untermauert.

In der dritten Strophe beschreibt das lyrische Ich den eigenen Sturz ins Meer, um dem Geliebten in den Tod zu folgen. Die Zeilen „Ich ringe, du sinkest, ich teile dein Grab“ drücken die Verzweiflung und das Scheitern aus, gleichzeitig aber auch den Wunsch nach Vereinigung und dem Teilen des Todes. Hier wird die Liebe zur absoluten Hingabe, die selbst vor dem Tod nicht zurückschreckt. Doch die letzte Strophe zeigt, dass das lyrische Ich dem Leben wieder zurückgegeben wird, was die Tragik des Gedichts noch verstärkt.

Die letzte Strophe bricht die Illusion der Ruhe durch den Tod, indem sie die Rückkehr in die „Stürme des Lebens“ beschreibt. Das lyrische Ich ist erneut dem Leid und der Hoffnungslosigkeit ausgesetzt. Die Sehnsucht nach Ruhe, die im „Abgrund des Todes“ erhofft wurde, bleibt unerfüllt. Der Blick in die Sterne, in denen der Geliebte wiedergefunden wird, ist ein letztes Zeichen der Hoffnung und zugleich der ewigen Trennung. Das Gedicht endet mit einem Appell, ein Flehen um Mitleid, was die tiefe Verzweiflung des lyrischen Ichs nochmals unterstreicht und die Tragödie abrundet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.