Dürstest du nach ewger Liebe
1834Dürstest du nach ewger Liebe, Oh, so flehe nicht zum Herrn, Denn in deines Herzens Kern Steht die Quelle, Und darüber steht ein Stern, Er wird dich mit seiner Helle Immer tief zum Guten rühren Und zur Quelle würdig führen. Da magst du den Durst erquicken, Und wirst du im Niederblicken Gottes Bild im Wasserspiegel Mit dir, in dir spiegeln sehn, Grüß ihn stille. Ewig wirst du dann am Spiegel Ewig, ewig blühend stehn. Also ist des Herren Wille.
Wenn du fromme Sitte übest, Dich mit Zucht und Tugend kränzest Und den Spiegel nimmer trübest, Sieh dann! wie du selig glänzest, Und wird er dich wieder grüßen, Wirst du ganz von Wonne schwer Dich wie keusche Blumen bücken, Alles Liebe in dich schließen, Und es wird der Herr dich pflücken Und des Brunnens irdsches Siegel Brechen, daß ein weites Meer Wird die Quelle, himmelsspiegel. Sonne, Mond und alle Sterne Stehn dann über dir so klar, Und das Nahe und das Ferne Wird dir eigen, wird dir wahr.
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Interpretation
Das Gedicht "Dürstest du nach ewger Liebe" von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Suche nach ewiger Liebe und göttlicher Erleuchtung. Der Dichter vermittelt die Botschaft, dass die Quelle der ewigen Liebe im eigenen Herzen liegt und nicht durch äußere Anbetung gefunden werden kann. Der Stern, der über der Quelle steht, symbolisiert die göttliche Führung, die den Menschen dazu führt, tief in sich selbst zu blicken und die Verbindung zu Gott zu erkennen. Brentano verwendet das Bild des Wasserspiegels, um die Reflexion des Göttlichen im eigenen Selbst darzustellen. Wenn der Mensch in den Spiegel des Wassers blickt, sieht er das Bild Gottes in sich selbst, was eine tiefe spirituelle Erkenntnis und Verbindung zur Ewigkeit darstellt. Die Aufforderung, "stille" zu grüßen, deutet auf eine innere, kontemplative Haltung hin, die für die spirituelle Erfahrung notwendig ist. Im zweiten Teil des Gedichts betont Brentano die Bedeutung frommer Sitten und tugendhaften Handelns. Durch die Reinheit des Herzens und die Vermeidung von Verunreinigung des Spiegels kann der Mensch göttliche Wonne erfahren. Die Metapher der Pflückung durch den Herrn symbolisiert die Erhebung des Menschen in einen höheren, göttlichen Zustand. Die Quelle verwandelt sich in ein weites Meer, das den Himmel spiegelt, was die unendliche Ausdehnung der spirituellen Erfahrung und die Einheit mit dem Kosmos darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dich mit Zucht und Tugend kränzest
- Bildsprache
- Sonne, Mond und alle Sterne Stehn dann über dir so klar
- Hyperbel
- Und es wird der Herr dich pflücken
- Metapher
- Dürstest du nach ewger Liebe
- Personifikation
- Und darüber steht ein Stern, Er wird dich mit seiner Helle immer tief zum Guten rühren
- Symbolik
- Gottes Bild im Wasserspiegel