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Bestellte Poesie

Von

Bleib nur stille,
Gottes Wille
Hat auch dich ja ausersehn,
Alle Armut, alle Fülle
Wird auch dir vorübergehn.

Bleib nur innig
Treu und sinnig,
Wie dich auch der Engel grüßt,
Spreche: Deine Magd, Herr! bin ich,
Die dir nie ihr Herz verschließt.

Bleib nur heiter,
Blick nicht weiter
Als zum Hirten, der dich führt.
Sorge bricht die Himmelsleiter,
Weil sie aus der Erde rührt.

Bleib vertrauend
Aufwärts schauend,
Nimm nur fremde Not ans Herz,
Und auf die Verheißung bauend
Trag die Erde himmelwärts.

Bleib nur selig,
Ach allmählich
Wird die Nacht vorüber gehn,
Denk, nur wenge Stunden zähl ich,
Schlafengehn wird Auferstehn.

Bleib nur liebend,
Wenn betrübend
Alles Leben treulos scheint,
Stirb du, allen Liebe übend,
Dann stirbst du dem Herrn vereint.

Bleib in Frieden,
Ungeschieden,
Eng getraut dem einzgen Gut,
Der die Arm′ ausstreckt hienieden,
Bis Süßlieb am Herz ihm ruht.

Bleib nur betend,
Wenig redend,
Sorge für dein Gartenbeet,
Säend, pflanzend, stützend, jätend,
Bis es reif zur Ernte steht.

Bleib nur kindlich,
Unverbindlich
Dieser lügenvollen Welt,
Einem nur unüberwindlich
Wirk dein Herz ins Siegsgezelt.

Bleib nur leise,
In dem Gleise,
Wird zum Ernste einst das Spiel
Und die wirre, bunte Reise
Tritt zum lichtgeschmückten Ziel.

Bleib nicht, allen
Zu gefallen,
Wählend auf dem Scheideweg,
Ob links?, rechts? zum Traum zu wallen?
Segnend dich zur Seite leg.

Bleib nur hüpfend
Und entschlüpfend,
Allen ab- und zugewandt,
Alle Schleifen hier verknüpfend
Führen nicht ins Vaterland.

Bleib lebendig,
Ganz abwendig
Werd mir nie, o sei mir fromm,
Mit dir leb ich, mit dir end ich –
Fleh! daß uns sein Reich zukomm!

Bleib demütig!
Einstens blüht ich,
War doch nie so froh wie du,
Arm war ich und übermütig,
Gott und du ihr sah′t mir zu!

Bleib geduldig,
Denn ich huldig′
Aller Huld allein in dir,
Strafe, lohn′? was all verschuld ich?
Gib stumm Kind, ach gib es mir!

Bleib, wie üblich,
Fein und lieblich,
Zäh und kraus, das arme Kind,
Dessen Fesseln, nie verschieblich,
Nimmer ich mein Herz entwind.

Bleib nicht länger
Aus, denn enger,
Immer enger, wird die Brust
Deinem armen kranken Sänger –
Dessen Herz du stimmen mußt.

Bleib nur bleibend,
Blüten treibend,
Bis der Herr zur Ernte geht,
Für mich Ärmsten dieses schreibend,
Opfre Früchte im Gebet!

Bleib das süße
Ziel der Grüße,
Grüß dich Gott viel tausendmal,
Auf dem Baum im Paradiese
Liebste Frau von Nachtigall!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Bestellte Poesie von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Bestellte Poesie“ von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Sammlung von Anweisungen und Ermahnungen, die an eine geliebte Person gerichtet sind. Es ist ein Appell an Beständigkeit, Glauben, Demut und Liebe, verpackt in einer lyrischen Form, die von einem tiefen spirituellen Verständnis geprägt ist. Die Struktur des Gedichts ist durch das sich wiederholende „Bleib nur“ charakterisiert, das als Leitsatz für jeden Vers dient und die zentrale Botschaft der Kontinuität und des Festhaltens an bestimmten Tugenden betont.

Die Verse des Gedichts behandeln eine Vielzahl von Themen, die das spirituelle und moralische Wachstum des Individuums fördern sollen. Brentano fordert die angesprochene Person auf, in Demut, Geduld, Liebe und Vertrauen zu verweilen. Er ermutigt sie, sich von der Welt zu distanzieren, sich auf Gott zu konzentrieren und sich den einfachen Freuden des Lebens zu widmen. Die Anweisungen reichen von der einfachen Aufforderung, ein „liebliches“ Wesen zu bewahren, bis hin zu der Mahnung, sich in „Frieden“ zu halten und die „Not“ anderer zu berücksichtigen. Die Wiederholung dieser Lehren unterstreicht die Bedeutung des beständigen Bemühens um spirituelles Wachstum.

Das Gedicht zeichnet sich durch eine tiefe emotionale Verbundenheit aus. Brentano scheint sich an seine Geliebte zu wenden, und seine Worte sind von Liebe, Sorge und Verehrung geprägt. Er bittet sie, ihm treu zu bleiben, und drückt seine eigene Verwundbarkeit aus, indem er die Enge seiner Brust thematisiert und seine Abhängigkeit von ihrer Unterstützung verdeutlicht. Die Verwendung von Bildern wie dem „Siegsgezelt“ und dem „Paradies“ weist auf eine tiefe Sehnsucht nach einer transzendenten Erfahrung hin und unterstreicht die Bedeutung von Glauben und Hoffnung.

Die wiederkehrende Verwendung von „Bleib nur“ schafft einen rhythmischen und meditativen Fluss, der die Zuhörer dazu einlädt, die im Gedicht enthaltenen Wahrheiten zu verinnerlichen. Die Verse sind von einer sanften Melancholie geprägt, die die Erkenntnis des Vergänglichen und die Suche nach ewigen Werten vermittelt. Die Metaphern und Symbole des Gedichts, wie die „Ernte“ und das „Vaterland“, verweisen auf das christliche Verständnis von Leben, Tod und Erlösung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Bestellte Poesie“ eine poetische Anleitung ist, die dazu ermutigt, inmitten von Schwierigkeiten und Veränderungen standhaft zu bleiben und sich dem spirituellen Wachstum zu widmen. Es ist ein Liebesgedicht, das von einem tiefen Glauben und einer tiefen Sehnsucht nach ewigen Werten geprägt ist. Brentanos Gedicht ist somit ein Plädoyer für ein Leben in Harmonie mit sich selbst, der Welt und der göttlichen Ordnung.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.