Der Gottheit hoher Tempel ist zerstöret...
1794Der Gottheit hoher Tempel ist zerstöret Es ründen an der heilgen Kuppel sich die Töne Nicht mehr in schöne Worte des Gebetes, Und teilen sich im Takte an den Säulen Die in der Krone leichte Melodien In lieblicher Verirrung schöner Locken Auf ihre ernsten hohen Stirnen wallen. Zertrümmert ist das herrliche Gebäude Und mit dem Echo ist das Wort gestorben. Vom weiten Himmel hallt kein Lied zurücke. Denn schrecklich ist die Macht des großen Lebens Und unermeßlich ist es hier zu beten.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gottheit hoher Tempel ist zerstöret" von Clemens Brentano beschreibt den Verfall und die Zerstörung eines einst heiligen Tempels. Die poetische Sprache malt ein Bild von einem Ort, an dem einst Gebete in schöne Worte gefasst wurden und Melodien die ernsten Säulen erfüllten. Doch nun ist das Gebäude zertrümmert, und das Echo der Worte ist verstummt. Der Himmel hallt kein Lied mehr zurück, was die tiefe Stille und Leere symbolisiert, die an diesem Ort herrscht. Die Macht des großen Lebens wird als schrecklich und unermeßlich beschrieben, was darauf hindeutet, dass die Kräfte der Natur oder des Schicksals übermächtig sind und selbst die heiligsten Orte zerstören können. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl der Vergänglichkeit und der Ohnmacht des Menschen gegenüber diesen gewaltigen Kräften. Die Zerstörung des Tempels wird als Metapher für den Verlust von Glauben, Hoffnung und spiritueller Verbundenheit verwendet. Die letzte Zeile, "Und unermeßlich ist es hier zu beten", könnte als Hinweis darauf interpretiert werden, dass trotz der Zerstörung und des Verlusts die Möglichkeit des Gebets und der spirituellen Suche weiterhin besteht. Es könnte auch bedeuten, dass die Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens unermesslich sind, und dass das Beten oder Suchen nach Trost und Bedeutung eine unendliche Aufgabe darstellt. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Vergänglichkeit des Lebens und die Suche nach spiritueller Erfüllung nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- teilen sich im Takte an den Säulen
- Metapher
- Und unermeßlich ist es hier zu beten
- Personifikation
- Vom weiten Himmel hallt kein Lied zurücke