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Unter Protestanten

Von

Kampf gegen jede Fäulnis und Zermorschung!
Gewissenfreiheit! Freie Bibelforschung!
Wie hab ich euern Mut so oft bewundert;
Das alles fordert ihr – fürs sechzehnte Jahrhundert!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Unter Protestanten von Otto Ernst

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Unter Protestanten“ von Otto Ernst ist eine satirische Auseinandersetzung mit der Scheinheiligkeit und den Widersprüchen in den Idealen der protestantischen Bewegung, speziell im Bezug auf das 16. Jahrhundert.

Das Gedicht beginnt mit einem scheinbar lobenden Ausruf, der die Tugenden der Protestanten hervorhebt: „Kampf gegen jede Fäulnis und Zermorschung!“ und „Gewissenfreiheit! Freie Bibelforschung!“. Diese Worte spiegeln die ursprünglichen Ideale der Reformation wider, die sich gegen Korruption, Dogmatismus und die Bevormundung durch die katholische Kirche richteten. Der Ausruf deutet zunächst auf Bewunderung und Anerkennung des Mutes der Protestanten hin.

Die Ironie des Gedichts liegt in der letzten Zeile: „Das alles fordert ihr – fürs sechzehnte Jahrhundert!“. Diese Aussage verlagert den Kontext in die Vergangenheit und deutet an, dass die Forderungen nach Freiheit, Gewissen und freier Forschung für die damalige Zeit berechtigt waren. Impliziert wird jedoch, dass diese Ideale im gegenwärtigen, also dem Zeitpunkt der Entstehung des Gedichts (mutmaßlich dem Ende des 19. oder dem Beginn des 20. Jahrhunderts), nicht mehr in dem Maße gelten oder zumindest nicht in gleicher Weise praktiziert werden. Die Betonung der Vergangenheit suggeriert eine gewisse Stagnation oder einen Verlust der ursprünglichen Dynamik der protestantischen Bewegung.

Die scheinbare Bewunderung am Anfang wird so entlarvt und zeigt das Gedicht als Kritik an einer Gesellschaft, die sich möglicherweise auf ihren einstigen Ruhm ausruht, anstatt die Ideale, für die sie einst kämpfte, weiterhin zu verfolgen. Otto Ernst greift hier also die oft zitierte Doppelmoral und den Konservatismus der Protestanten auf und entlarvt diesen als eine Haltung, die ihre eigenen Ideale nicht weiterverfolgt. Das Gedicht ist somit ein Appell, die eigenen Ideale zu reflektieren und danach zu handeln.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.