Waldidyll

Otto Ernst

1862

Voll Haß und Unrast lief ich in den Wald: Mein Herz war heiß; die Welt war tot und kalt.

Du Bächlein bist so wild und kraus wie ich; Komm, schäumender Gesell, und lehre mich: - Du gleitest singend über Blum′ und Moos - was ist im großen Weltenspiel dein Los? Und sprühend, perlend klang es aus dem Schaum, ein Lied, die Welle sang es wie im Traum:

»Im Schoß der Berge kurze Stunden träumen, ein froher Sprung vom steilen Hange her - an starren Felsenklippen sich zerschäumen - und seinem Selbst entsagen fern im Meer.« -

Noch lange horcht′ ich. Klang′s vom Himmel her? »Und seinem Selbst entsagen fern im Meer.«

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Illustration zu Waldidyll

Interpretation

Das Gedicht "Waldidyll" von Otto Ernst handelt von einem Menschen, der voller Hass und Unrast in den Wald läuft, weil sein Herz heiß ist und die Welt tot und kalt erscheint. Er trifft auf ein wildes und krahles Bächlein und bittet es, ihn zu lehren. Das Bächlein antwortet mit einem Lied, das von kurzen Träumen im Schoß der Berge, einem Sprung vom steilen Hang, dem Zerschellen an den Felsen und dem Entsagen des Selbst im Meer erzählt. Der Mensch horcht lange auf das Lied und fragt sich, ob es vom Himmel kommt. Er ist beeindruckt von der Botschaft des Bächleins, dass man sein Selbst im Meer verlieren soll. Das Gedicht "Waldidyll" von Otto Ernst ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen Unruhe und dem Wunsch nach Ruhe und Erlösung. Der Mensch sucht im Wald Zuflucht vor der kalten und toten Welt und findet im Bächlein einen Gesellen, der ihm etwas von seinem Leben erzählt. Das Bächlein symbolisiert die Natur, die im Gegensatz zur menschlichen Zivilisation steht. Es ist wild und frei und hat eine einfache Bestimmung: vom Berg ins Meer zu fließen. Das Bächlein singt ein Lied, das den Menschen anspricht und ihm eine Lehre gibt. Das Lied beschreibt den Lebensweg des Bächleins als einen Zyklus von Träumen, Sprüngen, Zerschellen und Entsagen. Das Bächlein träumt im Schoß der Berge, springt vom steilen Hang, zerschellt an den Felsen und entsagt sich selbst im Meer. Das Meer ist das Ziel und der Tod des Bächleins, aber auch seine Erlösung. Im Meer verliert das Bächlein seine Individualität und wird Teil des Ganzen. Das ist die Botschaft, die das Bächlein dem Menschen vermitteln will: dass man sein Selbst aufgeben soll, um Frieden zu finden. Das Gedicht "Waldidyll" von Otto Ernst ist eine poetische Darstellung der menschlichen Suche nach Sinn und Glück. Der Mensch ist unzufrieden mit der Welt und flüchtet sich in die Natur. Dort begegnet er einem Bächlein, das ihm eine andere Sichtweise auf das Leben zeigt. Das Bächlein lebt in Harmonie mit seiner Bestimmung und findet seine Erfüllung im Entsagen. Das ist etwas, was der Mensch nicht versteht und auch nicht erreichen kann. Er bleibt ein Außenseiter, der nur zuhören und staunen kann. Er fragt sich, ob das Lied des Bächleins vom Himmel kommt, also von einer höheren Macht oder einem göttlichen Wesen. Er ist fasziniert von der Idee, sein Selbst zu verlieren, aber auch beängstigt. Er weiß nicht, ob er das wirklich will oder ob er lieber bei sich bleiben soll. Das Gedicht endet mit einer Wiederholung der letzten Zeile des Liedes, die den Menschen noch lange beschäftigt. Das Gedicht lässt offen, ob der Mensch eine Antwort auf seine Frage findet oder ob er im Wald bleibt oder zurück in die Welt geht.

Schlüsselwörter

klang her selbst entsagen fern meer voll haß

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Stilmittel

Alliteration
sprühend, perlend klang es aus dem Schaum
Anapher
Und seinem Selbst entsagen fern im Meer.
Apostroph
Du Bächlein bist so wild und kraus wie ich; Komm, schäumender Gesell, und lehre mich:
Frage
Was ist im großen Weltenspiel dein Los?
Metapher
Mein Herz war heiß; die Welt war tot und kalt.
Personifikation
Du Bächlein bist so wild und kraus wie ich
Vergleich
Du Bächlein bist so wild und kraus wie ich
Wiederholung
Und seinem Selbst entsagen fern im Meer.