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Eldorado

Von

Es ist von Klang und Düften
Ein wunderbarer Ort,
Umrankt von stillen Klüften,
Wir alle spielten dort.

Wir alle sind verirret,
Seitdem so weit hinaus
Unkraut die Welt verwirret,
Findt keiner mehr nach Haus.

Doch manchmal tauchts aus Träumen,
Als läg es weit im Meer,
Und früh noch in den Bäumen
Rauschts wie ein Grüßen her.

Ich hört den Gruß verfliegen,
Ich folgt ihm über Land,
Und hatte mich verstiegen
Auf hoher Felsenswand.

Mein Herz ward mir so munter,
Weit hinten alle Not,
Als ginge jenseits unter
Die Welt in Morgenrot.

Der Wind spielt′ in den Locken,
Da blitzt′ es drunten weit,
Und ich erkannt erschrocken
Die alte Einsamkeit.

Nun jeden Morgenschimmer
Steig ich ins Blütenmeer,
Bis ich Glückselger nimmer
Von dorten wiederkehr.

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Gedicht: Eldorado von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Eldorado“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholische Suche nach einem verlorenen Paradies, das durch Kindheitserinnerungen und Sehnsüchte geprägt ist. Es beschreibt eine Reise, die von Hoffnung und Erwartung getrieben wird, aber letztendlich in der Erkenntnis der Einsamkeit und des unerreichbaren Glücks mündet. Das Eldorado, ein Ort des „Klangs und Düfte[s]“, wird als eine idyllische Welt dargestellt, in der „wir alle spielten“, was eine vergangene Zeit der Unbeschwertheit und Verbundenheit suggeriert. Der Verlust dieses Paradieses ist ein zentrales Thema, das durch die Metapher der „Verirrung“ und des „Unkrauts“ ausgedrückt wird, das die Welt „verwirrt“ hat und die Rückkehr unmöglich macht.

Die Sehnsucht nach diesem verlorenen Ort manifestiert sich in den Träumen und flüchtigen Erinnerungen, die wie ein „Grüßen“ aus der Ferne wahrgenommen werden. Der Protagonist folgt dieser Sehnsucht, was ihn zu einer Reise führt, die sowohl physisch als auch emotional ist. Die „hohe Felsenswand“ symbolisiert die Anstrengung und die Risiken, die mit der Suche nach dem Glück verbunden sind. Während der Reise empfindet der Protagonist eine vorübergehende Freude und ein Gefühl der Freiheit, als ob die „Not“ und die Sorgen der Welt in den Hintergrund treten würden. Der „Morgenschimmer“ und das „Blütenmeer“ evozieren Bilder von Schönheit und Erneuerung, was die Hoffnung auf ein Wiederfinden des Paradieses verstärkt.

Die abschließende Erkenntnis ist jedoch bitter: Der Protagonist erkennt „die alte Einsamkeit“ wieder. Diese Erkenntnis markiert das Scheitern der Suche und die Unmöglichkeit, das verlorene Paradies wiederzuerlangen. Die Wiederholung des Verses „Nun jeden Morgenschimmer / Steig ich ins Blütenmeer“ deutet auf eine unaufhörliche, aber letztlich aussichtslose Suche hin. Das Versprechen, „Glückselger nimmer / Von dorten wiederkehr[en]“ deutet auf eine Verstrickung in der Sehnsucht hin, die den Protagonisten in einer ewigen Suche gefangen hält.

Eichendorff verwendet in diesem Gedicht eine romantische Sprache, die von Bildern der Natur, von Träumen und von Gefühlen der Sehnsucht geprägt ist. Die verwendeten Reimschemata und der Rhythmus verstärken die emotionale Wirkung des Gedichts und verleihen ihm eine musikalische Qualität. Das Gedicht ist ein Ausdruck des romantischen Strebens nach dem Ideal, nach dem unendlichen Glück, das jedoch im realen Leben unerreichbar bleibt. Die Melancholie und die Erkenntnis der Einsamkeit, die im Gedicht zum Ausdruck kommen, machen „Eldorado“ zu einem eindrucksvollen Spiegelbild der menschlichen Sehnsucht und der Suche nach Glück.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.