Dryander mit der Komödiantenbande
Mich brennts an meinen Reiseschuhn,
Fort mit der Zeit zu schreiten –
Was wollen wir agieren nun
Vor so viel klugen Leuten?
Es hebt das Dach sich von dem Haus
Und die Kulissen rühren
Und strecken sich zum Himmel ′raus,
Strom, Wälder musizieren!
Und aus den Wolken langt es sacht,
Stellt alles durcheinander,
Wie sichs kein Autor hat gedacht:
Volk, Fürsten und Dryander.
Da gehn die einen müde fort,
Die andern nahn behende,
Das alte Stück, man spielts so fort
Und kriegt es nie zu Ende.
Und keiner kennt den letzten Akt
Von allen, die da spielen,
Nur der da droben schlägt den Takt,
Weiß, wo das hin will zielen.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Dryander mit der Komödiantenbande“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholische Betrachtung über die Flüchtigkeit des Lebens und die Rolle des Menschen in einem größeren, unergründlichen Spiel. Das Gedicht beginnt mit dem Drang nach Aufbruch und Veränderung, symbolisiert durch die „Reiseschuhn“ und den Wunsch, „fort mit der Zeit zu schreiten“. Dieser Aufbruchswille kontrastiert jedoch mit der Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, dem „Was wollen wir agieren nun / Vor so viel klugen Leuten?“. Diese anfängliche Unsicherheit etabliert das zentrale Thema des Gedichts: die Suche nach Bedeutung und Orientierung im unaufhaltsamen Fluss der Zeit.
Die zweite Strophe erweitert die metaphorische Bühne des Lebens. Das „Dach“ und die „Kulissen“ des Hauses, die sich zum Himmel erheben, deuten auf eine Auflösung der Grenzen und eine Verschmelzung von Kunst und Natur hin. Die „Strom, Wälder“ werden zu Akteuren, die „musizieren“, wodurch eine allumfassende, harmonische Welt inszeniert wird. Diese Welt ist jedoch nicht statisch, sondern wird von einer höheren Macht, dargestellt durch die „Wolken“, durcheinandergebracht. Dies spiegelt die Unvorhersehbarkeit und die ständige Veränderung wider, die das menschliche Dasein prägen. Die Erwähnung von „Volk, Fürsten und Dryander“ deutet auf eine universelle Beteiligung am Spiel des Lebens hin, ohne dabei die Rolle von Dryander, der vielleicht den Protagonisten oder einen Repräsentanten des Individuums darstellt, hervorzuheben.
Die dritte Strophe vertieft die melancholische Stimmung. Der Wechsel von „Gehen“ und „Nahen“ der Menschen, die „müde“ oder „behende“ sind, illustriert die unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenswege. Das „alte Stück“, das immer wieder gespielt wird, repräsentiert die Wiederholung von Mustern und Erfahrungen, die menschliche Existenz ausmachen. Es wird „so fort“ gespielt, „und kriegt es nie zu Ende“, was die Unvollkommenheit und die ewige Suche nach Erfüllung widerspiegelt. Der Hinweis darauf, dass niemand den „letzten Akt“ kennt, unterstreicht die Ungewissheit über das Ziel und den Sinn des Lebens.
Die letzte Strophe bietet eine mögliche Antwort auf die gestellte Frage. Nur „der da droben“, also eine höhere Macht oder Gott, kennt den „letzten Akt“ und weiß, „wo das hin will zielen“. Dies deutet auf eine transzendente Ordnung hin, die dem Chaos einen Sinn gibt. Das Gedicht endet somit mit einem Gefühl der Demut und der Akzeptanz der eigenen Unwissenheit, während gleichzeitig die Hoffnung auf eine höhere Wahrheit aufscheint. Es ist eine Reflexion über die menschliche Existenz, die zwischen der Sehnsucht nach Sinn und der Erkenntnis der eigenen Grenzen oszilliert.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.