Dort in moosumrankten Klüften
1841Dort in moosumrankten Klüften, Wo der Kühlung Weste wehn, Und den Kranz um Schläf und Hüften Elfen sich im Tanz ergehn.
Dort harr ich des lieben Mädchens, Wenn durchs Grau der Morgen bricht Und das grüne Rosenpfädchen Sanft bestreut mit mattem Licht.
Dort harr ich, wenn sich die Sonne In des Sees Fluten taucht, Und der Abend neue Wonne In des Müden Seele haucht.
Denn nur wenig Jahr durchglühet Uns der Jugend Götterhauch Und, ach - nur zu früh verblühet Uns des Lebens Blütenstrauch.
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Interpretation
Das Gedicht "Dort in moosumrankten Klüften" von Joseph von Eichendorff thematisiert die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer geliebten Person und die Vergänglichkeit der Jugend und des Lebens. In den ersten beiden Strophen beschreibt das lyrische Ich eine idyllische Naturlandschaft, in der es auf das "liebe Mädchen" wartet. Die Szenerie ist geprägt von kühler, erfrischender Luft, tanzenden Elfen und sanftem Morgenlicht. Diese natürliche Schönheit dient als Kulisse für die Sehnsucht und die Erwartung des lyrischen Ichs. Die dritte und vierte Strophe führen die zeitliche Dimension ein. Das lyrische Ich wartet nicht nur am Morgen, sondern auch am Abend, wenn die Sonne im See versinkt und neue Wonne in die müde Seele haucht. Diese Bilder der Vergänglichkeit stehen im Kontrast zur beständigen Natur, die den Rahmen für die Sehnsucht bildet. Die letzte Strophe bringt die zentrale Botschaft des Gedichts zum Ausdruck: Die Jugend und das Leben sind vergänglich. Der "Götterhauch" der Jugend durchglüht uns nur für kurze Zeit, und die Blüten des Lebens verblühen viel zu früh. Diese Erkenntnis verleiht der Sehnsucht des lyrischen Ichs eine tragische Dimension, da die Zeit für die Erfüllung der Liebe begrenzt ist.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Uns des Lebens Blütenstrauch
- Personifikation
- Wo der Kühlung Weste wehn