Durch! (1)
1788Laß dich die Welt nicht fangen, Brich durch, mein freudig Herz, Ein ernsteres Verlangen Erheb dich himmelwärts!
Greif in die goldnen Saiten, Da spürst du, daß du frei, Es hellen sich die Zeiten, Aurora scheinet neu.
Es mag, will alles brechen, Die gotterfüllte Brust Mit Tönen wohl besprechen Der Menschen Streit und Lust.
Und eine Welt von Bildern Baut sich da auf so still, Wenn draußen dumpf verwildern Die alte Schönheit will.
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Interpretation
Das Gedicht "Durch!" von Joseph von Eichendorff ist ein kraftvolles Plädoyer für die Befreiung des menschlichen Geistes aus den Fesseln der Welt. Der Dichter ermutigt das Herz, sich nicht von weltlichen Verlockungen einfangen zu lassen, sondern mutig durchzubrechen und sich einem höheren, ernsteren Verlangen hinzugeben, das himmelwärts strebt. Die goldnen Saiten symbolisieren dabei die Möglichkeit, durch Musik und Kunst die eigene Freiheit zu spüren und eine neue, helle Zeit heraufzubeschwören, in der die Aurora, die Göttin der Morgenröte, in neuem Glanz erstrahlt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die transformative Kraft der Kunst und der Musik betont. Die "gotterfüllte Brust" des Künstlers oder Musikers kann durch Töne die Kämpfe und Sehnsüchte der Menschen ausdrücken und eine ganze Welt von Bildern entstehen lassen. Diese innere Welt des Schaffens und der Imagination steht im Kontrast zur äußeren Welt, in der die "alte Schönheit" dumpf und verwildert zu vergehen droht. Eichendorff vermittelt hier die Idee, dass Kunst und Kreativität eine Möglichkeit bieten, über die Begrenzungen der physischen Welt hinauszugehen und eine ewige, innere Schönheit zu bewahren. Insgesamt ist das Gedicht ein Aufruf zur geistigen Erhebung und zur Nutzung der kreativen Kraft als Mittel zur Überwindung der vergänglichen und oft düsteren Aspekte des Lebens. Es ist eine Ode an die Freiheit des Geistes und die unerschöpfliche Quelle der Inspiration, die in der Kunst und in der Verbindung mit dem Göttlichen liegt. Eichendorffs Worte laden den Leser ein, sich von der Schönheit und der Wahrheit, die in der Kunst zu finden sind, leiten zu lassen und so eine Brücke zu schlagen zwischen der irdischen und der himmlischen Sphäre.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Imperativ
- Laß dich die Welt nicht fangen, / Brich durch, mein freudig Herz, / Ein ernsteres Verlangen / Erheb dich himmelwärts!
- Metapher
- Und eine Welt von Bildern / Baut sich da auf so still
- Personifikation
- Wenn draußen dumpf verwildern / Die alte Schönheit will