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Dichterlos

Von

Für alle muß vor Freuden
Mein treues Herze glühn,
Für alle muß ich leiden,
Für alle muß ich blühn,
Und wenn die Blüten Früchte haben,
Da haben sie mich längst begraben.

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Gedicht: Dichterlos von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Dichterlos“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholische Selbstreflexion, die die existenzielle Last und das unaufhörliche Geben des Dichters thematisiert. Es drückt die Tragik des Künstlers aus, der in seinem Schaffen für andere existiert, sich aber dabei selbst opfert. Der Titel „Dichterlos“ deutet bereits auf eine gewisse Entfremdung und das Gefühl der Einsamkeit im Schaffensprozess hin.

Der erste Versabschnitt etabliert die universelle Ausrichtung des Dichters: „Für alle muß vor Freuden / Mein treues Herze glühn, / Für alle muß ich leiden, / Für alle muß ich blühn.“ Die Verwendung von „alle“ unterstreicht das uneingeschränkte Engagement und die Hingabe an andere. Der Dichter teilt Freude, Leiden und die Fähigkeit zu erblühen, wobei diese Aufopferung als eine unumgängliche Pflicht dargestellt wird. Das „treue Herze“ symbolisiert die Empfindsamkeit und das Mitgefühl des Dichters, aber auch seine Verwundbarkeit.

Der zweite Versabschnitt, bestehend aus den letzten beiden Zeilen, enthüllt die Konsequenz dieser unermüdlichen Hingabe. „Und wenn die Blüten Früchte haben, / Da haben sie mich längst begraben.“ Hier findet eine Metapher statt, die den Kreislauf von Geburt, Wachstum und Tod im künstlerischen Schaffen veranschaulicht. Die „Blüten“ stehen für die Werke des Dichters, die Früchte für deren Wirkung und den Nutzen für andere. Doch während die Früchte geerntet werden, wird der Dichter „begraben“ – er wird in seiner schöpferischen Leistung verzehrt und verliert sich selbst.

Die Strophenform und der Reim (a-b-a-b cc) erzeugen einen melodischen Klang, der die Wehmut des Gedichts verstärkt. Eichendorffs Sprache ist klar und zugänglich, was die universelle Gültigkeit der Aussage unterstreicht. Die Kürze des Gedichts verstärkt die Wirkung, da die prägnante Form die schmerzliche Erkenntnis unmittelbar vermittelt. Es ist ein Gedicht über die Paradoxie des Künstlerdaseins: das Geben und die Selbstaufopferung als Preis des Schaffens.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.