Der Winzer

Joseph von Eichendorff

1837

Es hat die Nacht geregnet, Es zog noch grau ins Tal, Und ruhten still gesegnet Die Felder überall; Von Lüften kaum gefächelt, Durchs ungewisse Blau Die Sonne verschlafen lächelt′ Wie eine wunderschöne Frau.

Nun sah ich auch sich heben Aus Nebeln unser Haus, Du dehntest zwischen den Reben Dich von der Schwelle hinaus, Da funkelt′ auf einmal vor Wonne Der Strom und Wald und Au - Du bist mein Morgen, meine Sonne, Meine liebe, verschlafene Frau!

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Winzer

Interpretation

Das Gedicht "Der Winzer" von Joseph von Eichendorff beschreibt eine morgendliche Szene nach einem nächtlichen Regen. Die Natur erwacht langsam aus ihrem Schlaf, die Felder sind still und gesegnet, die Sonne lächelt verschlafen durch das graue Tal. Die Atmosphäre ist ruhig und friedlich, als ob die Natur noch in einem sanften Traumzustand wäre. Die zweite Strophe führt den lyrischen Ich-Erzähler ein, der sein Haus aus den Nebeln auftauchen sieht. Die geliebte Frau tritt auf die Schwelle und dehnt sich zwischen den Reben aus. In diesem Moment erwacht auch die Landschaft zum Leben - Strom, Wald und Au glänzen vor Freude. Die Frau wird zum personifizierten Morgen und zur Sonne, die den Winzer mit ihrer verschlafenen Schönheit erfreut. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der innigen Verbundenheit zwischen Mensch und Natur. Die Frau des Winzers ist untrennbar mit der erwachenden Landschaft verbunden, sie ist der morgendliche Glanz, der die Felder erhellt. Die verschlafene, noch nicht ganz wache Schönheit der Frau spiegelt sich in der trägen, sanften Erwachung der Natur wider. Es entsteht ein harmonisches Bild der Liebe und der Einheit mit der Umwelt.

Schlüsselwörter

sonne frau nacht geregnet zog grau tal ruhten

Wortwolke

Wortwolke zu Der Winzer

Stilmittel

Alliteration
Der 'Sonne' und der 'schönen' Frau
Bildlichkeit
Die lebendige Darstellung der Natur und der geliebten Person durch visuelle und emotionale Bilder
Enjambement
Die Verse fließen ohne Satzzeichen in den nächsten über, z.B. 'Und ruhten still gesegnet / Die Felder überall;'
Hyperbel
Die Beschreibung der Sonne als 'wunderschöne Frau' übertreibt ihre Schönheit
Metapher
Die Sonne wird mit einer 'wunderschönen Frau' verglichen
Personifikation
Die Sonne 'lächelt' wie eine wunderschöne Frau
Symbolik
Die Sonne als Symbol für die geliebte Person
Vergleich
Die Sonne 'lächelt' wie eine 'wunderschöne Frau'