Die Heimat

Joseph von Eichendorff

1857

An meinen Bruder

Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh? Das Horn lockt nächtlich dort, als obs dich riefe, Am Abgrund grast das Reh, Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe - O stille, wecke nicht, es war als schliefe Da drunten ein unnennbar Weh.

Kennst du den Garten? - Wenn sich Lenz erneut, Geht dort ein Mädchen auf den kühlen Gängen Still durch die Einsamkeit, Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen, Als ob die Blumen und die Bäume sängen Rings von der alten schönen Zeit.

Ihr Wipfel und ihr Bronnen rauscht nur zu! Wohin du auch in wilder Lust magst dringen, Du findest nirgends Ruh, Erreichen wird dich das geheime Singen, - Ach, dieses Bannes zauberischen Ringen Entfliehn wir nimmer, ich und du!

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Illustration zu Die Heimat

Interpretation

Das Gedicht "Die Heimat" von Joseph von Eichendorff ist ein lyrisches Werk, das sich mit der Sehnsucht nach der Heimat und der Vergangenheit auseinandersetzt. Es ist in drei Strophen gegliedert, die jeweils verschiedene Aspekte der Heimat und der damit verbundenen Gefühle beleuchten. In der ersten Strophe erinnert der Sprecher seinen Bruder an ein Schloss auf einer stillen Höhe. Das nächtliche Horn ruft, als ob es den Bruder rufen würde, und ein Reh grast am Abgrund. Der Wald rauscht verwirrend aus der Tiefe, und es herrscht eine Stille, die ein unaussprechliches Leid verbirgt. Die Stimmung ist von einer melancholischen Sehnsucht und einem Hauch von Unheimlichkeit geprägt. Die zweite Strophe führt den Leser in einen Garten, den der Bruder möglicherweise kennt. Wenn der Frühling erneut kommt, geht dort ein Mädchen still durch die kühlen Gänge der Einsamkeit. Sie weckt einen leisen Strom von Zauberklängen, als ob die Blumen und Bäume von der alten schönen Zeit singen würden. Die Stimmung ist hier von einer nostalgischen Sehnsucht nach vergangener Schönheit und einer magischen Atmosphäre geprägt. In der dritten Strophe wird deutlich, dass die Sehnsucht nach der Heimat und der Vergangenheit unentrinnbar ist. Die Wipfel und Bronnen rauschen nur zu, und egal wie sehr man sich in wilder Lust bemüht, man findet nirgends Ruhe. Das geheime Singen erreicht einen immer wieder, und der Bann des zauberischen Ringens kann nicht entfliehen. Die Stimmung ist von einer resignierten Akzeptanz der unentrinnbaren Sehnsucht und einer tiefen Verbundenheit zwischen den Brüdern geprägt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Ach, dieses Bannes zauberischen Ringen
Bildsprache
Am Abgrund grast das Reh
Frage
Kennst du den Garten?
Metapher
Erreichen wird dich das geheime Singen
Personifikation
Du findest nirgends Ruh