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Der verzweifelte Liebhaber

Von

Studieren will nichts bringen,
Mein Rock hält keinen Stich,
Meine Zither will nicht klingen,
Mein Schatz, der mag mich nicht.

Ich wollt, im Grün spazierte
Die allerschönste Frau,
Ich wär ein Drach und führte
Sie mit mir fort durchs Blau.

Ich wollt, ich jagt gerüstet
Und legt die Lanze aus,
Und jagte all Philister
Zur schönen Welt hinaus.

Ich wollt, ich säß jetzunder
Im Himmel still und weit,
Und früg nach all dem Plunder
Nichts vor Zufriedenheit.

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Gedicht: Der verzweifelte Liebhaber von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der verzweifelte Liebhaber“ von Joseph von Eichendorff entwirft ein Stimmungsbild der hoffnungslosen Liebe und der daraus resultierenden Verzweiflung. Der Erzähler, ein unglücklich Verliebter, drückt seine innere Zerrissenheit durch eine Reihe von „Ich wollt’“-Wünschen aus, die unterschiedliche Sehnsüchte und Fantasien widerspiegeln. Diese Wünsche zeigen nicht nur die tiefe Traurigkeit des Liebenden, sondern auch seine Suche nach einer Lösung für sein unerwidertes Gefühl.

Die erste Strophe etabliert sofort die Ausgangssituation: Der Liebende sieht sich als gescheitert in seinen weltlichen Bestrebungen, sei es im Studium, in der äußeren Erscheinung oder im künstlerischen Ausdruck. Seine Zither, ein Symbol für die Kunst, schweigt, und vor allem: Seine Geliebte erwidert seine Gefühle nicht. Diese ernüchternde Feststellung bildet den Grundton für die folgenden Phantasien. Die nachfolgenden Strophen zeigen eine zunehmende Eskalation der Sehnsüchte. Zuerst wünscht er sich, seine Geliebte durch eine märchenhafte Flucht in eine andere Welt zu entführen. Dann träumt er von kriegerischem Ruhm und der Vertreibung aller Störenfriede.

Die letzten beiden Verse nehmen jedoch eine überraschende Wendung. Anstatt in martialischer oder romantischer Heldenhaftigkeit zu verharren, sehnt sich der Liebende nach Ruhe und Distanz zur Welt. Er wünscht sich, im Himmel zu sitzen und die weltlichen Dinge zu vergessen. Dieser Wunsch nach innerem Frieden und Zufriedenheit offenbart die eigentliche Quelle seiner Verzweiflung: die Unfähigkeit, mit seinem Schmerz umzugehen und Trost in der Welt zu finden. Die Flucht in eine transzendentale Sphäre deutet auf eine tiefe Erschöpfung und den Wunsch, den irdischen Problemen zu entkommen.

Eichendorffs Gedicht ist ein gutes Beispiel für die romantische Sehnsucht nach einer idealen Welt. Durch die Abfolge der „Ich wollt’“-Wünsche wird die Verzweiflung des Liebenden immer greifbarer. Die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und innerem Frieden, die in den einzelnen Strophen anklingen, scheitert jedoch an der Realität. Das Gedicht endet mit einer Resignation, die gleichzeitig tiefgründig und melancholisch ist. Der wahre „Plunder“ ist letztlich nicht die Liebe, sondern die Unfähigkeit, mit ihr oder ohne sie glücklich zu sein.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.