Der verspätete Wanderer

Joseph von Eichendorff

1859

Wo aber werd ich sein im künftgen Lenze? So frug ich sonst wohl, wenn beim Hüteschwingen Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen, Denn jeder Wipfel bot mir frische Kränze.

Ich wußte nur, daß rings der Frühling glänze, Daß nach dem Meer die Ströme leuchtend gingen, Vom fernen Wunderland die Vögel singen, Da hatt das Morgenrot noch keine Grenze.

Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben Sind wandermüde längst zurückgeblieben, Die Nachtluft rauscht durch meine welken Kränze,

Und heimwärts rufen mich die Abendglocken, Und in der Einsamkeit frag ich erschrocken: Wo werde ich wohl sein im künftgen Lenze?

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der verspätete Wanderer

Interpretation

Das Gedicht "Der verspätete Wanderer" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Reise eines Wanderers durch die Jahreszeiten und sein Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens. Der Wanderer reflektiert über seine Vergangenheit, als er noch jung und voller Lebensfreude war, und vergleicht sie mit seiner Gegenwart, in der er älter und müder geworden ist. Er fragt sich, wo er im nächsten Frühling sein wird, da er sich seiner Sterblichkeit bewusst wird. Das Gedicht beginnt mit dem Wanderer, der sich fragt, wo er im nächsten Frühling sein wird. Er erinnert sich an seine Jugend, als er noch voller Lebensfreude war und sein Lied in das Tal schmetterte. Jeder Baum bot ihm einen frischen Kranz, und er wusste, dass der Frühling überall glänzte. Die Flüsse flossen leuchtend zum Meer, und die Vögel sangen aus dem fernen Wunderland. Die Morgendämmerung hatte noch keine Grenzen. Jetzt aber ist es Abend, und alle Lieben sind müde und weit zurückgeblieben. Die Nachtluft rauscht durch die welken Kränze des Wanderers. Die Abendglocken rufen ihn nach Hause, und in der Einsamkeit fragt er sich erschrocken, wo er im nächsten Frühling sein wird. Der Wanderer ist sich seiner Sterblichkeit bewusst und fragt sich, ob er den nächsten Frühling noch erleben wird. Das Gedicht endet mit einer Frage, die den Leser zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens anregt.

Schlüsselwörter

künftgen lenze kränze werd frug sonst hüteschwingen tal

Wortwolke

Wortwolke zu Der verspätete Wanderer

Stilmittel

Anapher
Wo aber werd ich sein im künftgen Lenze?
Bildlichkeit
Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen
Frage
Wo aber werd ich sein im künftgen Lenze?
Gegenüberstellung
Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben sind wandermüde längst zurückgeblieben
Kontrast
Da hatt das Morgenrot noch keine Grenze
Metapher
daß nach dem Meer die Ströme leuchtend gingen
Personifikation
daß rings der Frühling glänze
Symbolik
die Nachtluft rauscht durch meine welken Kränze
Wiederholung
Wo werde ich wohl sein im künftgen Lenze?