Der Wanderer im Schnee
Steh auf, steh auf!
Ich bin die ganze Nacht im Schnee gegangen –
Die müden Häuser lauschen mit im Bangen,
Nur die blinden Straßenlichter wachen –
Steh auf, und laß uns Hochzeit machen!
Wie lange hab ich meinen Durst ertragen,
Ließ Tage, Städte weiterjagen.
Doch Sehnsucht hat mich hergetrieben –
Ich kann doch dich nur lieben.
Wie kann mich Schlaf zufrieden laben –
Ich bin von weit durch Nacht und Schnee gekommen,
Durch dieselben Gassen hergeklommen,
Und will dich wieder, wieder haben!
Steh auf, steh auf, die Stunden dringen!
Reiß die Gardinen auf und zünde Licht,
Steh auf, ich will die Hochzeit bringen! –
Hörst du, hörst du denn nicht?
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Der Wanderer im Schnee“ von Gerrit Engelke drückt die ungestillte Sehnsucht und die dringende Verlangen nach Vereinigung aus, die den Sprecher durch die Nacht und durch die widrigen Umstände des Schneefalls getrieben hat. Die zentrale Metapher ist die des Wanderers, der trotz Erschöpfung und Dunkelheit unermüdlich voranschreitet, um sein Ziel zu erreichen. Der Schnee, der als Hindernis und als Symbol für die Isolation des Wanderers dient, verstärkt die Intensität seiner Gefühle und die Notwendigkeit der ersehnten Begegnung.
Die wiederholten Aufforderungen „Steh auf, steh auf!“ fungieren als dringende Beschwörung und unterstreichen die Ungeduld und die erregte Erwartung des Wanderers. Die Verwendung des Imperativs verleiht dem Gedicht eine direkte Ansprache und macht die Dringlichkeit des Begehrens greifbar. Die Erwähnung der „müden Häuser“ und der „blinden Straßenlichter“ deutet auf eine nächtliche und möglicherweise einsame Umgebung hin, die das Gefühl der Trennung verstärkt, von dem der Sprecher befreit werden möchte. Die angedeutete „Hochzeit“ symbolisiert das ersehnte Ziel der Vereinigung und die Erfüllung der Sehnsucht.
Die zweite Strophe vertieft das Thema der Sehnsucht und die Entschlossenheit des Wanderers. Die Beschreibung, wie der Sprecher „lange [seinen] Durst ertragen“ hat und „Tage, Städte weiterjagen“ ließ, unterstreicht die Entfernung und die Mühen, die er auf sich genommen hat, um seine Sehnsucht zu stillen. Die Zeile „Ich kann doch dich nur lieben“ verdeutlicht die ausschließliche Ausrichtung des Sprechers auf seine Geliebte und die Unfähigkeit, sich mit weniger als dieser Vereinigung zufrieden zu geben. Die Wiederholung von „wieder, wieder“ in Bezug auf die Geliebte unterstreicht die tiefe Sehnsucht und das Verlangen nach ihrem Wiedersehen.
Der Schluss des Gedichts verstärkt die Eindringlichkeit des Begehrens noch weiter. Die dringende Aufforderung, die Gardinen aufzureißen und das Licht zu entzünden, unterstreicht die Sehnsucht nach einer hellen und freudigen Begrüßung, die durch die „Hochzeit“ symbolisiert wird. Die abschließende Frage „Hörst du, hörst du denn nicht?“ drückt das Unverständnis des Wanderers aus, ob die Geliebte seine Bemühungen wahrnimmt und seine Sehnsucht erwidert. Dies deutet auf eine leichte Ungewissheit hin, die der Erwartung und der Intensität der Sehnsucht noch mehr Tiefe verleiht.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.