Der Zwerg

Gerrit Engelke

1921

Hang an Hang, und Hang an Feld und Felder, Strauch an Baum, und Wald an Wälder, Tal an Berg und Tal an Berg: Erden-Weite-Breite rundherüberall:

Und der Mensch, der Zwerg:

Tappt verschüchtert, Geht ernüchtert, Stolzt voll Dünkel hier und dort, Schürft sich Lehm und backt sich Ziegel,

Häuft aus Mauern, Dächern seinen Ort. Schließt mit Schloß und Riegel Sorgevoll sein Haus, Klopft und bohrt darin herum – Dünkt sich klug und andre dumm – Geht kaum aus der Straße raus – –

Draußen reiht sich Feld an Feld: Draußen weitet sich die Welt: Ungeheure Runde!

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Zwerg

Interpretation

Das Gedicht "Der Zwerg" von Gerrit Engelke zeichnet ein eindrucksvolles Bild der menschlichen Existenz in der Weite der Natur. Es beginnt mit einer Beschreibung der natürlichen Welt, die durch eine unendliche Kette von Landschaftselementen charakterisiert ist: Hänge, Felder, Sträucher, Bäume, Wälder, Täler und Berge. Diese Elemente werden als ineinander übergehend und sich endlos wiederholend dargestellt, was die immense Größe und Unbegrenztheit der Erde betont. Im Kontrast dazu steht der Mensch, der als "Zwerg" bezeichnet wird. Diese Metapher unterstreicht die relative Bedeutungslosigkeit des Menschen im Vergleich zur überwältigenden Natur. Das Gedicht beschreibt das menschliche Verhalten als zögerlich und eingeschüchtert ("tappt verschüchtert"), aber auch als überheblich und selbstgefällig ("stolzt voll Dünkel"). Der Mensch wird als bemüht dargestellt, sich eine künstliche Umgebung zu schaffen, indem er Lehm gräbt, Ziegel bäckt und aus Mauern und Dächern seinen Ort häufelt. Dies symbolisiert den menschlichen Drang, sich eine kontrollierte und geschützte Welt zu erschaffen. Die letzten Strophen des Gedichts betonen die Begrenztheit des menschlichen Daseins. Der Mensch schließt sein Haus mit Schloss und Riegel, was seine Angst und Sorge vor der Außenwelt ausdrückt. Er hält sich für klug und andere für dumm, was seine Selbstüberschätzung verdeutlicht. Doch in Wirklichkeit wagt er sich kaum aus seiner Komfortzone heraus. Draußen erstreckt sich die unermessliche Weite der Felder und der Welt, eine "ungeheure Runde", die den Menschen an seine eigene Begrenztheit erinnert. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Überwältigung durch die Größe der Natur, die den Menschen in seiner Bedeutungslosigkeit erscheinen lässt.

Schlüsselwörter

hang feld tal berg geht draußen felder strauch

Wortwolke

Wortwolke zu Der Zwerg

Stilmittel

Alliteration
Hang an Hang, und Hang an Feld und Felder
Hyperbel
Ungeheure Runde!
Kontrast
Tappt verschüchtert, Geht ernüchtert, Stolzt voll Dünkel hier und dort
Metapher
Und der Mensch, der Zwerg
Parallelismus
Tappt verschüchtert, Geht ernüchtert, Stolzt voll Dünkel hier und dort
Personifikation
Schließt mit Schloß und Riegel Sorgevoll sein Haus
Symbolik
Schürft sich Lehm und backt sich Ziegel
Wiederholung
Hang an Hang, und Hang an Feld und Felder