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Der rasende Psalm

Von

Gott! Zeus! – Christ! Pan!
Gott! Baal! – Zeus! Pan!
Inder-Somar! Wolken-Donar!
Großer Lama! Schöpfer-Brahma!
Aller Götterhirne Schädelhaus!
Alles Götteratems Luftgebraus!

All-Hirn! Kraft-Stirn!
Zorn-Arm! Welt-Darm!
Lebenslunge! Kosmoszunge!

Alles Sommerblühens Baum,
Alles Narren-Denkens Schwinge,
Aller Tatenfäuste Daum,
Fleisch und Seele aller Dinge:
Anfangsall-Gebärer:
Ewig-Forternährer:

Wirf herab die Böllerpauke!
Wirf herab die Weltenpauke!

Aller Städtemenschen Herdenstrom
Will ich schlagen laut und barsch,
In Fabrik- wie Kirch- und Wolkendom,
Generalgewaltenmarsch!

Alle Laster, Leidenschaften,
Alles Werdens Mutterschaften,
Dirnenliebe, vielgeschmähte,
Alle Telegraphendrähte,
Alles Krankenhaus-Gestöhn,
Aller Hammer Schlag-Gedröhn,
Alle krummen Straßenstränge,
Allen Wirtshaus-Lärm,
Militärkapellen-Klänge,
Alles Mensch-Gedärm
Will ich auf die Pauke spannen,
Daraus Groß-Gesänge bannen!
Trotzig meine Pauke tragen:
Und mit harten Knöcheln schlagen!
Daß sie jedes Ding mit Ehrfurcht nennen,
Deinen Körper überall erkennen!

Deines Gipfel-Kopfes
Wolkenschaum-Gelock,
Deines Mundes-Topfes
Städtequalm-Geflock,
Deiner Brüste-Pamir-Platte,
Deines Bauches Straßen-Därme,
Deines Leibes Krater-Wärme,
Deiner Füße Länder-Matte,
Deiner großen Zornes-Pforte
Schwarz-Gewitterwolken-Graus,
Deiner tiefen Kosmos-Worte
Neunte-Symphonie-Gebraus.
Eifersvoll beschlag ich gell
Deiner Pauke Paukenfell:
Daß man hört durch mich!
Alles-Gottheit Dich!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Der rasende Psalm von Gerrit Engelke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der rasende Psalm“ von Gerrit Engelke ist ein ekstatisch anmutender Hymnus, der das Universum als eine Einheit von göttlichem Zorn und schöpferischer Kraft beschwört. Es ist ein Aufschrei, ein Rausch der Worte, der versucht, die gesamte Komplexität der Welt in einem einzigen, gewaltigen Lobgesang zu erfassen. Der Titel deutet bereits auf eine religiöse Anmutung hin, wobei „Psalm“ die Form eines Gebets vorgibt, und „rasend“ die leidenschaftliche, ungestüme Natur des Textes beschreibt.

Das Gedicht beginnt mit einer Aufzählung verschiedener Gottheiten, von Zeus bis Brahma, was die allumfassende, synkretistische Natur des göttlichen Wesens unterstreicht. Es geht nicht um eine bestimmte Religion oder einen bestimmten Glauben, sondern um das Erfassen des Göttlichen in all seinen Erscheinungsformen. Engelke verwendet eine Reihe von metaphorischen Bildern wie „All-Hirn! Kraft-Stirn!“ und „Lebenslunge! Kosmoszunge!“, um die unermessliche Macht und die umfassende Natur dieser Gottheit zu veranschaulichen. Der Fokus liegt auf den Elementen der Schöpfung und der Zerstörung, des Lebens und des Todes, die in der Gottheit vereint sind.

Der zweite Teil des Gedichts wendet sich der Welt und ihren „Lastern, Leidenschaften“ zu. Der Dichter möchte „Aller Städtemenschen Herdenstrom“ und alles, was mit ihm zusammenhängt, auf die Pauke spannen, um daraus „Groß-Gesänge“ zu bannen. Hier wird die Pauke zum Instrument der Rebellion und der Manifestation des Göttlichen im Irdischen. Es geht nicht nur um Lob, sondern auch um die Klage, um die Erfassung aller Aspekte der menschlichen Existenz, von den Freuden bis zu den Qualen. Engelke erhebt eine vielstimmige Anklage, die aus dem Lärm der Fabriken, den Klängen der Militärkapellen und dem Gestöhn der Krankenhäuser die Stimme der Gottheit herauskristallisieren will.

Der abschließende Teil des Gedichts ist eine erneute Beschwörung der Gottheit in Form von metaphorischen Bildern, die ihren Körper beschreiben, von „Gipfel-Kopfes Wolkenschaum-Gelock“ bis zu „Deiner Füße Länder-Matte“. Diese Bilder dienen dazu, die Allgegenwart und die Allumfassendheit der Gottheit zu betonen. Der Dichter ist entschlossen, die Pauke „eifersüchtig“ zu schlagen, damit die Welt durch ihn die Gottheit in all ihren Aspekten wahrnehmen kann. Das Gedicht endet mit einem emphatischen Bekenntnis zur Einheit von Gott und Welt, von Dichter und Göttlichem.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.