Der Mann spricht

Gerrit Engelke

1921

Du Weib bist Schale nur und Spiegel Der Taten, die mein Hirn erzeugt, Denn nur durch meines Kopfes Tiegel Das All nach Immer-Formung keucht. Ich bin der Mann, ich bin der Wille, Und du bist Weib und bist die Stille – Du bist die Ader, bist die Stirn, Doch ich bin Blut und heißes Hirn, Ich bin der Keim in deinem Schoß: Ich sprenge ihn ganz mitleidlos. Doch: Bin ich auch Schrei und du nur Kehle, Bin ich Orkan und du nur Ruh: So bist du Leib doch meiner Seele: Und Mensch bin ich und Mensch bist du! Und nur als Eins sind wir Vollendung: So wächst in unserm Einen Schoß Mein Schöpferdrang in Taten groß: Und du bist Werk und Alles-Endung.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Mann spricht

Interpretation

Das Gedicht "Der Mann spricht" von Gerrit Engelke ist eine Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen und der Beziehung zwischen Mann und Frau. Der männliche Sprecher positioniert sich als der aktive, schöpferische Teil, während die Frau als passives, reflektierendes Element dargestellt wird. Der Mann sieht sich selbst als den Ursprung des Willens und der Tat, während die Frau als die stille Aufnahmefähigkeit und der Spiegel seiner Schöpfungen fungiert. In den folgenden Versen wird die Dynamik zwischen den Geschlechtern weiter ausgeführt. Der Mann beschreibt sich als das treibende, leidenschaftliche Element, während die Frau als das Gefäß und die körperliche Hülle gesehen wird. Trotz der Dominanz des Mannes in der Schöpfung und im Handeln, erkennt er am Ende des Gedichts die Notwendigkeit der Vereinigung beider Geschlechter an. Nur durch ihre Einheit können sie Vollendung erreichen und gemeinsam neue Schöpfungen hervorbringen. Das Gedicht schließt mit der Erkenntnis, dass Mann und Frau, trotz ihrer unterschiedlichen Rollen, als Einheit betrachtet werden müssen. Die Frau wird als das Werk und das Endprodukt der gemeinsamen Schöpfung dargestellt, was auf eine symbiotische Beziehung hindeutet. Die Sprache des Gedichts ist von starken, bildhaften Metaphern durchdrungen, die die traditionellen Geschlechterrollen der Zeit widerspiegeln, aber auch eine tiefe Verbundenheit und Abhängigkeit zwischen den Geschlechtern andeuten.

Schlüsselwörter

weib taten hirn schoß mensch schale spiegel erzeugt

Wortwolke

Wortwolke zu Der Mann spricht

Stilmittel

Gegensatz
[Du bist die Ader, bist die Stirn, Doch ich bin Blut und heißes Hirn Bin ich auch Schrei und du nur Kehle, Bin ich Orkan und du nur Ruh]
Metapher
[Du Weib bist Schale nur und Spiegel meines Kopfes Tiegel ich bin Blut und heißes Hirn ich bin der Keim in deinem Schoß bin ich auch Schrei und du nur Kehle Bin ich Orkan und du nur Ruh bist du Leib doch meiner Seele]
Parallelismus
[Ich bin der Mann, ich bin der Wille, Und du bist Weib und bist die Stille Bin ich auch Schrei und du nur Kehle, Bin ich Orkan und du nur Ruh Und Mensch bin ich und Mensch bist du]
Personifikation
[Das All nach Immer-Formung keucht]
Reimschema
AABB