Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.

Zu viele Menschen, zu viele Straßen

Von

… denke so – daß du mit vielen Leuten
Durch die Straßen gehst –
Vor diesem Laden da stehst –
Unter vielen, fremden Leuten –

Daß du im Alltagseinerlei
In Menschenrudeln
Durch die Straßenstrudel
Dahingetrieben – –
Immer an mir vorbei – –

… denke so – daß zu viele Menschen
Durch die Straßen gehn –
Daß die Straßen alle auseinander zweigen –
Daß
Wir uns nie im Abendschweigen
In Einer Gasse wiedersehn.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Zu viele Menschen, zu viele Straßen von Gerrit Engelke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Zu viele Menschen, zu viele Straßen“ von Gerrit Engelke entfaltet ein Gefühl der Entfremdung und des Verlustes in einer urbanen Umgebung. Die zentrale Thematik ist das Alleinsein inmitten einer Masse von Menschen und die daraus resultierende Unmöglichkeit, eine persönliche Verbindung zu einer geliebten Person aufzubauen oder zu erhalten. Die repetitive Verwendung des Wortes „denke“ deutet auf einen introspektiven Prozess hin, in dem der Sprecher seine Gefühle und Gedanken verarbeitet.

Das Gedicht arbeitet mit Kontrasten. Einerseits wird die Erfahrung des kollektiven Daseins beschrieben: „mit vielen Leuten / Durch die Straßen gehst“ und „im Alltagseinerlei / In Menschenrudeln“. Andererseits wird das individuelle Schicksal betont, die Isolation des Sprechers. Die geliebte Person geht „immer an mir vorbei“, was die Trennung und die unerreichbare Nähe unterstreicht. Die Metapher der „Straßenstrudel“ verstärkt das Gefühl der Unkontrollierbarkeit und des Verlustes, da die Menschen wie von einem Strudel erfasst und getrennt werden.

Die zweite Strophe vertieft diese Thematik noch weiter, indem sie die unendliche Weite und die Zerstreuung des urbanen Raumes betont. Die „Straßen alle auseinander zweigen“ symbolisieren die Unmöglichkeit einer Wiedervereinigung. Die Vorstellung, sich „nie im Abendschweigen / In Einer Gasse wiedersehn“ zu können, ist von tiefer Melancholie geprägt. Das „Abendschweigen“ suggeriert dabei eine Intimität und Ruhe, die in der Hektik der Stadt unerreichbar scheint. Die letzten Zeilen sind ein ergreifender Ausdruck des Bedauerns und der Hoffnungslosigkeit.

Die Struktur des Gedichts, geprägt von Wiederholungen und fragmentarischen Sätzen, unterstützt die thematische Botschaft. Die einfachen, fast nüchternen Formulierungen spiegeln die Gefühlswelt des Sprechers wider: eine Mischung aus Trauer, Ohnmacht und dem Gefühl der Verlorenheit. Durch die Reduziertheit der Sprache und die eindringlichen Bilder gelingt es Engelke, eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die die Isolation des Individuums in der modernen Großstadt wirkungsvoll darstellt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.