Zergangen ist mein Herzeweh
seit daß nun fließen will der Schnee
von Seiser Alm und Flagg.
Erwachet sind die Erden Dünste,
es mehren sich die Wasserrünste
von Kastelruh in Eissack.
Das will mir wohl behagen.
Ich hör die Vögleine groß und klein
In meinem Wald am Hauenstein.
Zergangen ist mein Herzeweh…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Zergangen ist mein Herzeweh…“ von Oswald von Wolkenstein beschreibt einen Wechsel der Gemütsverfassung, der durch den Einbruch des Frühlings und das Schmelzen des Schnees ausgelöst wird. Der Sprecher erlebt eine Wandlung von Leid und Schwermut zu Freude und neu erwachender Lebensfreude. Die Erwähnung des „Herzewehs“ zu Beginn deutet auf eine vorangegangene Phase der Trauer oder des Kummers hin, die nun durch das Frühlingserwachen überwunden wird.
Die Natur dient als Spiegelbild für die innere Veränderung des Sprechers. Der Schnee, der „fließen will,“ die „erwachten Erden Dünste“ und die „Wasserrünste“ in den Tälern und Flüssen symbolisieren das Abfließen des Alten und das Aufkeimen neuen Lebens. Die geografischen Hinweise auf die Seiser Alm, Flagg, Kastelruth und den Eisack verankern das Gedicht in einer konkreten, alpinen Landschaft und erwecken ein Gefühl der Vertrautheit und Sinnlichkeit. Diese detaillierten Ortsangaben verstärken die Authentizität des Gefühlswandels.
Die Zeilen „Das will mir wohl behagen“ drücken die Freude und das Wohlgefallen des Sprechers an den Veränderungen aus. Diese Reaktion zeigt, dass die Natur nicht nur ein Hintergrund ist, sondern aktiv an der Genesung und der Wiederentdeckung der Lebensfreude beteiligt ist. Die Erwähnung der Vögel, die im „Wald am Hauenstein“ singen, unterstreicht das neue Lebensgefühl. Die Vögel, sowohl groß als auch klein, symbolisieren die Vielfalt des Lebens und die Freude an der Wiedergeburt, die im Frühling gefeiert wird.
Insgesamt ist das Gedicht ein einfaches, aber kraftvolles Zeugnis der Kraft der Natur, Emotionen zu wecken und zu heilen. Wolkenstein vermittelt eine universelle Botschaft von Hoffnung und Erneuerung, die durch die sinnliche Erfahrung der Natur und deren Wiedergeburt vermittelt wird. Die klare Sprache und die bildhafte Darstellung der Natur machen das Gedicht zu einer ergreifenden Darstellung des menschlichen Erlebens und seiner Verbundenheit mit der natürlichen Welt.
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Lizenz und Verwendung
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