O wunnikliches paradis
1377O wunnikliches paradis, zu Costnitz han ich funden dich ! für alles das ich hör, sich, lis, mit guetem herzen freustu mich. inwendig, auss und überal, zu Münsterling und anderswa regniert dein adelicher schal. Wer möchte da immer werden gra ?
Vil augenwait in mangem klait, slecht, zierlich, prait, sicht man zu Costnitz prangen von mündlin rot an alle not, der mir ains drot mit röselochten wangen.
Gepärd, wort, weis an tadel späch schaut man durch hügelichen trit von manger stolzen frauen wäch. Sant Peter lat michs liegen nit, des lob ich immer preisen sol andächtiklich in meim gepet, wann er ist aller eren vol, und wär mir laid, wer anders rett.
Vil zarter engelischer weib, durchleuchtig schön, mit liechtem glanz, besessen haben meinen leib all in der Katzen pei dem tanz, und der ich nicht vergessen will; das macht ir minniklich gestalt. mit eren lustlich freudenspil vint man zu Costnitz manigvalt.
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Interpretation
Das Gedicht "O wunnikliches paradis" von Oswald von Wolkenstein beschreibt die Begeisterung des lyrischen Ichs für die Schönheit und den Charme der Frauen, die er in Konstanz angetroffen hat. Die Stadt wird als ein paradiesischer Ort dargestellt, an dem das weibliche Geschlecht in seiner ganzen Pracht und Vielfalt zu bewundern ist. Das lyrische Ich preist die äußere Erscheinung der Frauen, ihre Kleidung, ihr Verhalten und ihre Ausstrahlung. Es betont die Vielfalt der Schönheiten, die es in Konstanz zu bewundern gibt, und scheint von dem Anblick regelrecht überwältigt zu sein. Die Frauen werden als Engel oder als Bewohnerinnen eines himmlischen Reiches dargestellt, das dem lyrischen Ich einen Vorgeschmack auf das Paradies gibt. Das Gedicht endet mit dem Wunsch des lyrischen Ichs, die Schönheit und den Charme der Frauen in Konstanz immer wieder erleben zu können. Es scheint sich eine Art Sucht oder Abhängigkeit entwickelt zu haben, die das lyrische Ich immer wieder in die Stadt zieht, um sich an den weiblichen Reizen zu erfreuen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gepärd, wort, weis an tadel späch
- Bildsprache
- durchleuchtig schön, mit liechtem glanz
- Hyperbel
- und wär mir laid, wer anders rett
- Metapher
- mit eren lustlich freudenspil
- Personifikation
- besessen haben meinen leib