Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.

XXXV. Lange bin ich geweset verdâht

Von

Lange bin ich geweset verdâht
und unvrô von rehter minnen.
nû hât men mir maere brâht,
der ist vrô mîn herze inbinnen.
Ich sol trôst gewinnen
von der vrowen mîn.
wie möht ich danne trûric sîn?
ob ir rôter munt
tuot mir vröide kunt,
sô getrûr ich niemer mê.
ez ist quît, was mir wê.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: XXXV. Lange bin ich geweset verdâht von Heinrich von Morungen

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „XXXV. Lange bin ich geweset verdâht“ von Heinrich von Morungen feiert die plötzliche Wandlung von Trauer zu Freude, ausgelöst durch die Aussicht auf die Liebe. Der Autor, der zuvor lange Zeit von Misstrauen und Unmut geplagt war, erlebt eine tiefgreifende Veränderung durch die Nachricht, die ihm überbracht wurde. Diese Nachricht, die nicht explizit benannt wird, ist die Ankündigung der Gunst oder des Kontakts zu seiner Angebeteten, der „vrowen mîn“.

Die zentrale Metapher des Gedichts ist die Verwandlung des Herzens. Die vorherige Traurigkeit, das „trûric sîn“, wird durch die freudige Erwartung ersetzt. Die „rôter munt“ – der rote Mund seiner Geliebten – wird zum Symbol der Freude und des Glücks. Die Erwähnung des Mundes impliziert körperliche Nähe, Sinnlichkeit und die Aussicht auf eine tiefe emotionale Verbindung. Der Dichter sehnt sich nach der Freude, die ihm durch die Geliebte zuteilwerden soll. Diese Hoffnung ist so stark, dass er jegliches Leid vergessen kann, was durch die Zeile „ez ist quît, was mir wê“ (es ist erlassen, was mir wehtat) zum Ausdruck kommt.

Die Struktur des Gedichts unterstreicht den Wandel des Gefühls. Die ersten vier Verse beschreiben den Zustand der Trauer und die erlösende Nachricht, während die folgenden Verse die daraus resultierende Hoffnung und das Glücksgefühl widerspiegeln. Die Verwendung von Worten wie „vrô“ (froh), „trôst“ (Trost) und „vröide“ (Freude) verstärkt das Thema der Freude. Morungen nutzt in seinem Minnesang die erotische Komponente, die in der Erwähnung des roten Mundes zum Ausdruck kommt, um die tiefe Sehnsucht nach der Geliebten darzustellen.

Insgesamt ist das Gedicht eine feierliche Bekundung der Freude und des Glücks, das durch die Liebe ausgelöst wird. Es illustriert die transformative Kraft der Liebe, die die Seele von Trauer und Misstrauen befreien kann. Der Dichter findet Trost und Hoffnung in der Vorstellung, von seiner Geliebten erwidert zu werden, und ist bereit, alles Leid hinter sich zu lassen, um das Glück der Liebe zu erfahren. Der Minnesänger verherrlicht in diesem Gedicht die Anmut der Geliebten und drückt seine eigene Hingabe aus.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.