XXXIV.   Vil süeziu senftiu toeterinne

Heinrich von Morungen

unknown

Vil süeziu senftiu toeterinne, war umbe welt ir toeten mir den lîp, und ich iuch sô herzeclîchen minne, zwâre vrouwe, vür elliu wîp? Waenent ir, ob ir mich toetet, daz ich iuch iemer mêr beschouwe? nein, iuwer minne hât mich des ernoetet, daz iuwer sêle ist mîner sêle vrouwe. sol mir hie niht guot geschehen von iuwerm werden lîbe, sô muoz mîn sêle iu des verjehen, dazs iuwerre sêle dienet dort als einem reinen wîbe.

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Illustration zu XXXIV.   Vil süeziu senftiu toeterinne

Interpretation

Das Gedicht "XXXIV. Vil süeziu senftiu toeterinne" von Heinrich von Morungen thematisiert die intensive und schmerzhafte Liebe des lyrischen Ichs zu einer Frau. Die Liebe wird als tödlich beschrieben, da sie den Körper des Sprechers langsam verzehrt. Dennoch kann er nicht aufhören, die Frau anzubeten und zu verehren. Die Liebe ist so stark, dass sie ihn immer tiefer in seinen Bann zieht. Die Frau wird als "süße sanfte Töterin" bezeichnet, was ihre doppelte Natur verdeutlicht. Einerseits ist sie sanft und liebenswert, andererseits tödlich für den Liebenden. Das Ich fühlt sich von ihr angezogen und zugleich verletzt. Die Liebe wird als eine Art Sucht beschrieben, der er nicht entkommen kann. Im letzten Vers wird die spirituelle Dimension der Liebe angedeutet. Die Seele des Ichs ist so sehr mit der Seele der Frau verbunden, dass sie, wenn sie ihm im Diesseits nicht hold ist, in der jenseitigen Welt als eine "reine Frau" dienen wird. Dies deutet auf eine Art ewige Verbundenheit und Hingabe hin, die über den Tod hinausreicht.

Schlüsselwörter

iuch minne vrouwe daz iuwer vil süeziu senftiu

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Vil süeziu senftiu toeterinne
Frage
zwâre vrouwe, vür elliu wîp?
Metapher
und ich iuch sô herzeclîchen minne
Parallelismus
sol mir hie niht guot geschehen von iuwerm werden lîbe
Reim
lîp - minne, wîp - beschouwe, lîbe - wîbe
Rhetorische Frage
Waenent ir, ob ir mich toetet, daz ich iuch iemer mêr beschouwe?