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Vagabundenlied

Von

In der Heimat ohne Fremde
Bin ich ganz auf mich gestellt.
Und mein Herze und mein Hemde
Sind mein alles auf der Welt.

Um ein Lächeln leichten Mundes
Geh ich schwärmend in den Tod.
Mit den Brüdern meines Bundes
Sauf ich bis zum Morgenrot.

Schwäre hat den Leib zerfressen,
Sonne selbst hab ich verspielt.
Über allem unvergessen
Schwebt die Seele, welche fühlt.

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Gedicht: Vagabundenlied von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Vagabundenlied“ von Klabund beschreibt die Lebensweise eines freiheitsliebenden Menschen, eines Vagabunden, der sich von Konventionen und Besitzansprüchen freigemacht hat. Der Fokus liegt auf der Abkehr von der Sicherheit der Heimat zugunsten eines selbstbestimmten, wenn auch unsteten Lebens. Die ersten vier Zeilen etablieren diese zentrale Idee: Der Vagabund fühlt sich in der Heimat, ohne die Vertrautheit und Geborgenheit durch andere, auf sich selbst reduziert, was ihn jedoch nicht bedrückt. Er hat nur sich selbst und seine elementaren Besitztümer, sein Herz und sein Hemd. Diese Reduktion auf das Wesentliche, die Ablehnung materieller Bindungen, kennzeichnet seinen freiheitlichen Geist.

In den folgenden vier Versen wird das Leben des Vagabunden konkretisiert und seine Lebensanschauung verdeutlicht. Die Zeile „Um ein Lächeln leichten Mundes / Geh ich schwärmend in den Tod“ ist ein Beispiel für die romantische Verklärung des Vagabundentums. Der „Tod“ steht hier nicht für das physische Sterben, sondern für die Bereitschaft, Risiken einzugehen und sich voll und ganz dem Moment hinzugeben – sei es im Rausch oder im Abenteuer. Er teilt sein Leben mit „den Brüdern seines Bundes“, vermutlich gleichgesinnten Weggefährten, und feiert bis zum Morgenrot, wobei der Rausch als gemeinschaftliches Erlebnis zelebriert wird. Die Bezugnahme auf den „leichten Mund“ könnte eine Anspielung auf flüchtige Liebschaften und die Freude an oberflächlichen Begegnungen sein.

Die letzten vier Zeilen sind von einer melancholischen Note geprägt. Die „Schwäre“, eine Krankheit, die den „Leib zerfressen“ hat, und die „Sonne“, die „verspielt“ wurde, deuten auf die Konsequenzen des exzessiven Lebensstils hin, auf körperlichen und möglicherweise auch finanziellen Verfall. Trotz dieser negativen Erfahrungen, die das freie Leben mit sich bringt, wird die Sehnsucht nach Freiheit durch die „Seele, welche fühlt“ betont, die „über allem unvergessen“ schwebt. Das lyrische Ich akzeptiert die Schattenseiten und die Vergänglichkeit, die untrennbar mit dem Vagabundenleben verbunden sind, ohne seine innere Freiheit aufzugeben.

Insgesamt zeichnet das Gedicht ein ambivalentes Bild des Vagabundentums. Einerseits wird die Freiheit, die Ungebundenheit und die Intensität des Lebens in den Vordergrund gestellt. Andererseits werden die negativen Konsequenzen wie körperliche Gebrechen und die Vergänglichkeit der Erfahrungen nicht verschwiegen. Der Vagabund wird hier als eine Figur dargestellt, die bereit ist, alle Risiken einzugehen und mit allen Konsequenzen zu leben, um seine persönliche Freiheit zu wahren. Das Gedicht reflektiert somit eine romantische Sehnsucht nach einem Leben abseits bürgerlicher Konventionen, die gleichzeitig die Schattenseiten dieses Lebensstils nicht ausblendet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.