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Septembermorgen

Von

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Septembermorgen von Eduard Mörike

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Septembermorgen“ von Eduard Mörike ist eine kurze, impressionistische Naturbetrachtung, die die Stimmung eines frühen Herbstmorgens einfängt. Es beschreibt den Übergang von der trüben, nebligen Dunkelheit zum Erscheinen des Sonnenlichts und der daraus resultierenden Verwandlung der Landschaft. Der Fokus liegt dabei auf der sinnlichen Wahrnehmung der Szenerie, die durch bildhafte Sprache und eine harmonische Reimstruktur vermittelt wird.

Die ersten beiden Zeilen zeichnen ein Bild der Stille und des Friedens, in dem die Welt noch im Nebel ruht und alles träumt. Der Nebel fungiert hier als Schleier, der die Welt verhüllt und eine Atmosphäre der Ungewissheit und des Geheimnisses erzeugt. Diese Anfangszeilen schaffen eine kontemplative Stimmung, die durch die Verwendung des Wortes „träumen“ verstärkt wird. Die Natur wird hier personifiziert, indem ihr menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden, was die Verbindung zwischen Mensch und Natur unterstreicht.

Der Wendepunkt des Gedichts liegt in der dritten Zeile, wo die Vorhersage des Sonnenaufgangs („Bald siehst du, wenn der Schleier fällt“) gemacht wird. Mit dem Aufbrechen des Nebels wird der blaue Himmel sichtbar und die Welt erfährt eine metamorphe Veränderung. Die anschließenden Zeilen beschreiben das Resultat dieses Übergangs: die herbstliche Welt wird von warmem Gold durchflossen. Dieses Bild symbolisiert das Sonnenlicht, das die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht taucht und die herbstliche Pracht zum Vorschein bringt.

Mörikes Gedicht zeichnet sich durch eine einfache, klare Sprache und eine präzise Beobachtungsgabe aus. Die Verwendung von Farbbildern (blau, gold) und die Betonung der Sinneseindrücke, wie beispielsweise das Wahrnehmen der gedämpften Welt, erzeugen eine lebendige und atmosphärische Beschreibung. Die Reimstruktur und der rhythmische Fluss des Gedichts tragen zusätzlich zur Harmonie und zur sanften Stimmung bei. Es ist ein kleines Meisterwerk, das die Schönheit und den Wandel der Natur in wenigen Versen einfängt und dem Leser ein Gefühl der Ruhe und Besinnlichkeit vermittelt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.