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Mond überm Schwarzwald

Von

Goldne Sichel des Monds! Dich schwingt der
Ewige Schnitter und mäht
Halme und Herzen.

Siehe, ich wandre auf steinichter Höhe
Über dem wolkigen Wald und neige
Willig den Nacken
Deinem erlösenden Streich.

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Gedicht: Mond überm Schwarzwald von Klabund

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Mond überm Schwarzwald“ von Klabund ist eine düstere Betrachtung über das Leben und den Tod, die durch eine einfache, aber kraftvolle Bildsprache transportiert wird. Der Mond, als zentrale Figur, wird mit der Arbeit eines Schnitters in Verbindung gebracht, der „Halme und Herzen“ mäht. Diese Metapher deutet auf die Vergänglichkeit des Lebens hin, da sowohl Pflanzen als auch menschliche Herzen dem Tod unterliegen. Die Verwendung des Begriffs „Ewige Schnitter“ verleiht dem Tod eine allgegenwärtige und unaufhaltsame Natur.

Der zweite Teil des Gedichts verstärkt die thematische Richtung durch die persönliche Perspektive des Sprechers. Er wandert „auf steinichter Höhe“ über dem Wald und scheint die unerbittliche Macht des Todes zu akzeptieren. Die „steinichte Höhe“ könnte für eine Distanz zum Leben stehen, eine Position der Beobachtung, die es ermöglicht, die Natur des Todes zu verstehen. Die Erwähnung des wolkigen Waldes verstärkt die düstere Atmosphäre und die Melancholie.

Die Kernaussage des Gedichts wird in den letzten drei Versen deutlich. Der Sprecher „neigt willig den Nacken“ und bittet den Mond, ihm einen „erlösenden Streich“ zu versetzen. Dieser Akt der Unterwerfung und der Bitte um Erlösung verdeutlicht die Akzeptanz des Todes. Es deutet auf eine Enttäuschung über das Leben oder eine Müdigkeit des Seins hin. Der „erlösende Streich“ impliziert, dass der Tod als eine Befreiung von den Beschwernissen und Leiden des Lebens gesehen wird.

Insgesamt ist das Gedicht ein Ausdruck tiefgehender Melancholie und der Reflexion über die menschliche Existenz angesichts des unausweichlichen Todes. Die einfachen Bilder, wie die goldene Sichel des Mondes und der wandernde Sprecher, erzeugen eine beklemmende Atmosphäre, die den Leser dazu anregt, über die eigene Sterblichkeit und die Frage nach dem Sinn des Lebens nachzudenken. Klabund nutzt eine reduzierte Sprache, um eine universelle Erfahrung der Vergänglichkeit einzufangen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.