Meine Irrtümer in diesem Liede
Wecken meine, so wie deine
Schmerzen tief im Herzen
Immer wieder, wieder
Auf;
Aber leider, leider, leider!
Tränen, Sehnen, Gähnen
Löschen, wäschen
Sie im Fließpapier, Siegspanier
Unsrer Wehmut, Demut
Immer wieder wieder
Aus.
Denn wir lachen, machen Sachen,
Solche Dinger für die Singer,
Lieder draus,
Vor den Mieder einen Strauß!
Meine Irrtümer in diesem Liede…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Meine Irrtümer in diesem Liede…“ von Clemens Brentano offenbart eine introspektive Auseinandersetzung mit der eigenen dichterischen Arbeit und den damit einhergehenden Emotionen. Die scheinbare Einfachheit des Gedichts, die durch die kurze Form und die repetitiven Strukturen erzeugt wird, täuscht über die Tiefe der enthaltenen Selbstreflexion hinweg. Brentano thematisiert die Fehlbarkeit des Menschen, die in seinen „Irrtümern“ Ausdruck findet, und verbindet diese mit den Schmerzen und Sehnsüchten, die in der Poesie ihren Niederschlag finden.
Der zentrale Gedanke des Gedichts kreist um die Wiederholung, die in den Worten „immer wieder, wieder“ deutlich wird. Diese Wiederholung verstärkt die Intensität der Empfindungen und unterstreicht die zyklische Natur von Leid und Trost in der menschlichen Erfahrung. Die „Irrtümer“ scheinen dabei als unausweichlicher Teil des kreativen Prozesses dargestellt zu werden, der Schmerz auslöst, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit der Reinigung bietet. Der „Fließpapier, Siegspanier“ steht symbolisch für das Medium, in dem die Trauer verarbeitet und die Leiden gewaschen werden, wodurch die Möglichkeit der Erneuerung impliziert wird.
Die zweite Hälfte des Gedichts führt eine ironische Wendung ein, indem es von den tiefgründigen Emotionen zu einer eher spielerischen Perspektive übergeht. Das Lachen und die „Sachen machen“ suggerieren eine gewisse Distanzierung von den eigenen Schmerzen, eine Art von Selbstverhöhnung, die jedoch die Tiefe der vorher beschriebenen Gefühle nicht aufhebt. Das „Lieder draus“ und der „Strauß vor dem Mieder“ deuten auf die schöpferische Umwandlung von Leid in Kunst hin, die die Welt um uns herum verschönern und die Gefühle bündeln kann.
Brentanos Gedicht ist somit ein komplexes Spiel aus Ernst und Humor, Schmerz und Erneuerung. Es ist eine Reflexion über die menschliche Erfahrung, die durch die Kunst zum Ausdruck gebracht wird. Es offenbart die Dualität von Leid und Freude, die in der Poesie des Autors ihren Widerhall findet. Die Einfachheit der Sprache dient dazu, die universellen Themen von Fehlbarkeit, Trauer, Trost und kreativer Verarbeitung zugänglich zu machen.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
