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Lieb und Leid im leichten Leben…

Von

Lieb und Leid im leichten Leben
Sich erheben, abwärts schweben,
Alles will das Herz umfangen,
Nur Verlangen, nie erlangen,

In dem Spiegel all ihr Bilder,
Blicket milder, blicket wilder,
Kann doch Jugend nichts versäumen
Fort zu träumen, fort zu schäumen.

Frühling soll mit süßen Blicken
Mich entzücken und berücken,
Sommer mich mit Frucht, und Mirten,
Reich bewirten, froh umgürten.

Herbst du sollst mich Haushalt lehren,
Zu entbehren, zu begehren,
Und du Winter lehr mich sterben,
Mich verderben, Frühling erben,

Wasser fallen um zu springen,
Um zu klingen, um zu singen,
Schweig ich stille, wie und wo?
Trüb und froh, nur so, so!

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Gedicht: Lieb und Leid im leichten Leben... von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Lieb und Leid im leichten Leben…“ von Clemens Brentano ist eine melancholische Betrachtung über die Vergänglichkeit des Lebens und die ständige Bewegung zwischen Freude und Leid. Es zeichnet sich durch seine zyklische Struktur aus, die die Jahreszeiten als Metaphern für verschiedene Lebensabschnitte nutzt. Das lyrische Ich erlebt einen ständigen Wandel, der von der jugendlichen Unbekümmertheit bis zur Auseinandersetzung mit dem Tod reicht.

Die ersten beiden Strophen stehen für die Jugend und das Auf und Ab der Emotionen. Das „Herz“ versucht, „alles“ zu „umfangen“, scheitert aber am ständigen „Verlangen“, das nie zur Erfüllung gelangt. Die Bilder im Spiegel, mal „milder“, mal „wilder“, spiegeln die Ambivalenz der Gefühle wider. Jugendliche Unbeschwertheit wird durch das „Träumen“ und „Schäumen“ ausgedrückt, die Sehnsucht nach Ungebundenheit und dem Abenteuer des Lebens. Der Dichter deutet hier an, dass das Leben von ständiger Suche und dem Unvermögen geprägt ist, einen Zustand dauerhafter Erfüllung zu erreichen.

Die dritte und vierte Strophe personifizieren die Jahreszeiten, wobei der Frühling, Sommer, Herbst und Winter die verschiedenen Phasen des Lebens symbolisieren. Der Frühling soll „entzücken und berücken“, der Sommer „reich bewirten“, und der Herbst „Haushalt lehren“. Dies spiegelt die Hoffnung auf Freude, Genuss und schließlich die Fähigkeit zur Akzeptanz des Verlustes wider. Der Winter, als Metapher für den Tod, lehrt „sterben“ und das „Verderben“, wobei der „Frühling“ als Erbe des Lebens wiederkehrt. Der Kreislauf von Werden und Vergehen wird so eindrücklich verdeutlicht.

Die abschließende Strophe fasst die Gesamtaussage des Gedichts zusammen. Das „Wasser“ steht für das ständige Fließen und die Veränderung des Lebens, das „springt“, „klingt“ und „singt“, also voller Leben und Bewegung ist. Das lyrische Ich reflektiert über seine eigene Existenz, die durch die ständige Bewegung zwischen Freude und Trauer gekennzeichnet ist. Der letzte Vers „Trüb und froh, nur so, so!“ drückt die Akzeptanz dieses Zustands aus. Das Leben wird als ein komplexes Zusammenspiel von positiven und negativen Erfahrungen gesehen, und das lyrische Ich findet Trost in der Erkenntnis, dass dies die natürliche Ordnung der Dinge ist.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.