Komm, laß uns spielen
Wie bald des Sommers holdes Fest verging!
Rauh weht der Herbst; wird′s denn auch Frühling wieder?
Da fällt ein bleicher Sonnenstrahl hernieder –
Komm, laß uns spielen, weißer Schmetterling!
Ach, keine Nelke, keine Rose mehr;
Am Himmel fährt ein kalt Gewölk daher!
Weh, wie so bald des Sommers Lust verging –
O komm! Wo bist du, weißer Schmetterling?
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Komm, laß uns spielen“ von Theodor Storm ist eine melancholische Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Sehnsucht nach Trost und Freude in einer Zeit des Abschieds und der Kälte. Es ist in einer einfachen, fast kindlichen Sprache gehalten, die den Kontrast zwischen der erlebten Schönheit des Sommers und der trostlosen Realität des Herbstes betont. Die Verwendung des weißen Schmetterlings als Anrede deutet auf eine Suche nach Unbeschwertheit und flüchtiger Schönheit hin, die dem Verfall der Jahreszeit entgegengesetzt werden soll.
Die Struktur des Gedichts ist durch einen Wechsel zwischen Feststellung, Frage und Aufforderung geprägt. Die ersten Zeilen erinnern an die schnell vergangene Schönheit des Sommers, gefolgt von einer beunruhigenden Frage nach dem Wiederkehren des Frühlings. Der „bleiche Sonnenstrahl“ wird zum Anlass für eine direkte Aufforderung zum Spiel, was eine verzweifelte Suche nach Trost in einer trüben Zeit andeutet. Der Schmetterling symbolisiert hier die Unschuld und die Flüchtigkeit des Glücks, das sich gegen die raue Wirklichkeit auflehnen soll.
Die zweite Strophe verstärkt die Thematik der Vergänglichkeit durch das Fehlen von Blumen und das Auftreten dunkler Wolken. Die Beschreibung der Natur spiegelt die innere Gefühlslage des Sprechers wider, der die verlorene Freude betrauert. Der erneute Ruf nach dem Schmetterling offenbart die Sehnsucht nach einem leichten Wesen, das Trost und Gesellschaft spenden soll. Das Fehlen einer Antwort unterstreicht das Gefühl der Einsamkeit und der Isolation, die durch den Verlust des Sommers noch verstärkt wird.
Insgesamt ist das Gedicht ein eindringliches Bild der Trauer und des Verlustes, eingebettet in die Natur. Die Vergänglichkeit des Sommers steht für die Vergänglichkeit des menschlichen Glücks und der Jugend. Die wiederholte Bitte an den Schmetterling ist ein verzweifelter Versuch, Trost zu finden und die flüchtige Schönheit des Lebens festzuhalten, auch wenn die Zeichen der Jahreszeit unerbittlich auf den kommenden Winter und das Ende der Freude hindeuten.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.