Ist des Lebens Band mit Schmerz gelöset
Ist des Lebens Band mit Schmerz gelöset,
Liegt der Körper ohne Blick, ohn Leben,
Fremde Liebe weint, und er geneset.
Seine Liebe muß zum Himmel schweben,
Von dem trägen Leibe keusch entblößet,
Kann zu Gott der Engel sie erheben.
Und er hält sie mit dem Arm umfasset,
Schwebet höher, bis das Grab erblasset.
Ist er durchs Vergängliche gedrungen,
Kehrt die Seele in die Ewigkeit,
Oh, so ist dem Tod genug gelungen,
Und er stürzet rückwärts in die Zeit.
Um die Seele bleibet Wonn geschlungen,
Alles gibt sich ihr, die alles beut,
Wird zum ewgen Geben und Empfangen,
Kann des Wechsels Ende nie erlangen!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Ist des Lebens Band mit Schmerz gelöset“ von Clemens Brentano behandelt das Thema des Todes und der Erhebung der Seele in den Himmel. Es beschreibt den Übergang vom irdischen Leben zur Ewigkeit und die damit verbundenen Gefühle von Trauer und Hoffnung. Der erste Teil des Gedichts konzentriert sich auf den Moment des Todes und die Trauer der Welt.
Brentano beschreibt den Tod als eine Befreiung von den Schmerzen des Lebens („Ist des Lebens Band mit Schmerz gelöset“), wodurch der Körper ohne Leben und jeglichen Blick zurückbleibt. Die „fremde Liebe“ trauert, während die Seele des Verstorbenen sich erhebt und von der irdischen Hülle befreit wird. Diese Seele, die nun rein und ungebunden ist, steigt in den Himmel auf, wo sie von Engeln empfangen und zu Gott erhoben wird. Die Vorstellung des Himmels wird durch Bilder der Umarmung und des gemeinsamen Schwebens verstärkt, was Geborgenheit und Trost vermittelt.
Der zweite Teil des Gedichts wendet sich dem Zustand nach dem Tod zu und beschreibt die Seele in der Ewigkeit. Hier wird der Tod als vollkommener Erfolg betrachtet, da er den Übergang zur Unsterblichkeit ermöglicht. Die Seele kehrt zurück in die Ewigkeit, umgeben von unendlicher Freude und Glückseligkeit. Die Beschreibung des ewigen Gebens und Empfangens deutet auf eine Verschmelzung mit dem Göttlichen hin, ein Zustand, in dem es kein Ende des Wechsels gibt.
Die verwendete Sprache ist sehr pathetisch und von romantischen Idealen geprägt. Brentano nutzt eine Vielzahl von Bildern, um die Erfahrung des Sterbens und des Übertritts in die Ewigkeit zu visualisieren. Die Betonung der Trennung von Körper und Seele, die Reinheit der Seele und die ewige Freude im Jenseits spiegeln die romantische Sehnsucht nach dem Übernatürlichen und der Überwindung des Irdischen wider. Das Gedicht ist somit eine tröstliche Betrachtung über das Ende des Lebens und die Hoffnung auf ein ewiges, glückseliges Dasein.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.