In dem Lichte wohnt das Hell,
Doch der Pfad ist uns verloren
Oder unerklimmbar steil,
Wenn wir außer uns ihn steigen
Werden wir am Abgrund schwindeln
Aber in uns selbst, da zeigen
Klar und rein die Pfade sich
Glauben, Hoffen, Lieben, Schweigen,
Laß uns diese Pfade steigen,
Daß wir nicht am Abgrund schwindeln.
Wollte Gott herab sich neigen
Und uns seine Hände reichen,
Sieh den Gottessohn in Windeln!
In dem Lichte wohnt das Hell…
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „In dem Lichte wohnt das Hell…“ von Clemens Brentano beschäftigt sich mit der Suche nach Erleuchtung und dem Weg zu innerem Frieden. Es beginnt mit der Feststellung, dass die eigentliche Helligkeit, das „Hell“, im „Lichte“ wohnt, also in der äußeren Welt oder möglicherweise in der göttlichen Sphäre. Doch der Weg dorthin, der Pfad zu dieser Erleuchtung, erscheint entweder „verloren“ oder „unerklimmbar steil“. Dies deutet auf die Schwierigkeit hin, die Wahrheit oder das Licht von außen zu erreichen.
Der zweite Teil des Gedichts wendet sich der inneren Welt zu. Wenn wir versuchen, den Weg „außer uns“ zu gehen, also uns auf äußere Einflüsse oder Erfahrungen verlassen, droht uns „am Abgrund“ das „Schwindeln“, also das Gefühl der Verzweiflung, des Verlusts oder des Scheiterns. Die eigentliche Lösung liegt jedoch in der Innenschau, in der Hinwendung zum eigenen Inneren. Nur „in uns selbst“ offenbaren sich die klaren und reinen Pfade. Diese Pfade werden durch die Tugenden „Glauben, Hoffen, Lieben, Schweigen“ repräsentiert.
Die Aufforderung, diese Pfade zu begehen, dient als Wegweiser, um das „Schwindeln“ am Abgrund zu vermeiden. Die Betonung liegt hier auf der aktiven Gestaltung des eigenen Weges, der durch die bewusste Kultivierung der genannten Tugenden geprägt ist. Die letzten beiden Verse nehmen eine überraschende Wendung: Die Sehnsucht nach dem göttlichen Beistand wird durch die Betrachtung der Geburt Jesu abgelöst. Die Anspielung auf „Gottessohn in Windeln“ verweist auf die Menschwerdung Gottes und deutet auf die Möglichkeit der Nähe zu Gott, die sich in der Demut und der Annahme des menschlichen Zustands offenbart.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Brentanos Gedicht eine spirituelle Reise beschreibt. Es beginnt mit der Erkenntnis der Schwierigkeiten, die mit der Suche nach äußerer Erleuchtung verbunden sind, und lenkt die Aufmerksamkeit auf die innere Welt. Die Tugenden Glauben, Hoffen, Lieben und Schweigen werden als Wegweiser genannt. Der Schluss des Gedichts deutet an, dass wahre Erleuchtung in der inneren Einkehr und der Akzeptanz des Göttlichen im Menschlichen gefunden werden kann. Die Bedeutung des Gedichts liegt in seiner Aufforderung zur Selbstbesinnung und der Betonung der inneren Werte als Weg zu innerem Frieden und zur spirituellen Erfüllung.
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