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Frühes Lied

Von

Fahre fort mit Dornenschlägen,
Weiße Rose, meinem Herzen,
Dem verbrannten, quillt ein Segen,
Aus den Tränen aus den Schmerzen,

Breche ganz mein altes Leben,
Ich muß dir, die so erschienen
Einen bessern Bruder geben
Gott und dir in ihm zu dienen

Alles muß von dir ich nehmen
Kann dir nichts, ach gar nichts geben,
Denn du mußt den Drachen zähmen,
Um dem Herrn den Schatz zu heben,

Sieh, ich beug mich dir zu Füßen
Du Erbarmen, weine nieder,
Lehre mich, wie du zu büßen
Tränenquell der frommen Lieder

All mein Letzen und Verletzen,
All mein Lügen, Trachten, Scheinen,
Darauf sollst den Fuß du setzen
Und so im Triumph erscheinen.

Alles, was du still gelitten,
Deine Not, dein fromm Entsagen,
Hat auch mir das Herz durchschnitten,
Doch du, du hast es getragen

Alles was du je getragen,
Sieh, das hab ich all verschuldet,
Meine Schuld hat dich geschlagen,
Und du hast so fromm geduldet.

Und nun trägst du dies versunkne,
Das dich marterte, dies Herz,
O du Gottesmitleidtrunkne
An dem deinen, himmelwärts!

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Gedicht: Frühes Lied von Clemens Brentano

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Frühes Lied“ von Clemens Brentano ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Themen wie Leid, Erlösung, Schuld und dem Triumph des Guten. Es ist in einer bildreichen Sprache gehalten, die stark von religiösen Motiven geprägt ist, und lässt sich als eine Art Buß- oder Bittgesang interpretieren. Der Sprecher wendet sich an eine „Weiße Rose“ – eine Metapher für eine idealisierte, möglicherweise göttliche oder rein spirituelle Instanz, die mit Erbarmen, Reinheit und moralischer Überlegenheit assoziiert wird.

In den ersten Strophen drückt der Sprecher seine Erkenntnis von Leid und Verdammnis aus. Er beschreibt sein „verbranntes“ Herz und die Notwendigkeit, ein neues Leben zu beginnen. Die „Dornenschläge“ der Rose werden als notwendig empfunden, um den Weg zur Erlösung zu ebnen. Das Gedicht verweist indirekt auf das Konzept der Buße und der Reinigung durch Schmerz. Der Sprecher erkennt seine eigene Unfähigkeit, der „Weißen Rose“ etwas geben zu können und betont stattdessen seine Abhängigkeit von ihr, um ein besseres Leben zu finden. Er bittet sie, ihm zu helfen, sein altes, sündiges Leben zu überwinden, indem er sein altes Leben komplett „bricht“.

Die folgenden Strophen intensivieren die Thematik der Schuld. Der Sprecher nimmt seine Schuld auf sich und betont, dass die „Weiße Rose“ sein Leid getragen hat. Er beschreibt die eigene Schuld als die Ursache für das Leiden der Rose und bewundert ihre Geduld und ihr Entsagen. Hier wird deutlich, dass die Rose als Symbol für eine höhere Macht oder eine moralische Instanz dient, die trotz des Leids, das ihr durch den Sprecher zugefügt wurde, Erlösung und Vergebung anbietet. Durch das Vergeben des „Tränenquells der frommen Lieder“ offenbart die Rose der Welt ihren göttlichen Charakter.

Der Schlussteil des Gedichts gipfelt in der Verherrlichung der „Weißen Rose“. Der Sprecher betrachtet das „versunkne, das dich marterte, dies Herz“ als etwas, das von der Rose getragen wird, und nennt sie „Gottesmitleidtrunkne“. Die Rose wird hier als ein Wesen dargestellt, das in der Lage ist, das Leid in die Höhe zu erheben und in Richtung Himmel zu tragen. Der Sprecher findet Trost im Verständnis der Rose und ihrer Rolle als Wegweiser und Tröster. Das Gedicht endet mit dem Triumph der Reinheit und der Erwartung auf eine zukünftige Erlösung.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.