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Es wandelt…

Von

Es wandelt, was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
Die Lust hat eignes Grauen,
Und alles hat den Tod.

Ins Leben schleicht das Leiden
Sich heimlich wie ein Dieb,
Wir alle müssen scheiden
Von allem, was uns lieb.

Was gäb′ es doch auf Erden,
Wer hielt′ den Jammer aus,
Wer möcht′ geboren werden,
Hielt′st Du nicht droben Haus!

Du bist′s, der, was wir bauen,
Mild über uns zerbricht,
Daß wir den Himmel schauen –
Darum so klag′ ich nicht.

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Gedicht: Es wandelt... von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Es wandelt…“ von Joseph von Eichendorff ist eine tiefgründige Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die tröstliche Gewissheit des Ewigen. Es beginnt mit der Feststellung der ständigen Veränderung, die wir in der Welt beobachten, vom Wechsel der Tageszeiten bis zum unweigerlichen Ende. Die ersten Strophen beschreiben die Melancholie und das Leid, das untrennbar mit dem irdischen Dasein verbunden ist.

Die zweite Strophe vertieft das Gefühl der Verlustangst und des Schmerzes, der durch die Trennung von allem, was uns lieb ist, entsteht. Eichendorff nutzt hier das Bild des „heimlich wie ein Dieb“ in das Leben einschleichenden Leids, um die Unvermeidlichkeit und das Unverhoffte des Kummers zu betonen. Dieses Gefühl der Vergänglichkeit wird durch das Bild des Todes, der alles erfasst, zusätzlich verstärkt. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ohne die Hoffnung auf etwas Höheres ist implizit in den Versen enthalten.

In der dritten Strophe erfolgt ein Wendepunkt. Der Dichter hinterfragt, was das Leben wert wäre, wenn es keine Hoffnung gäbe. Die rhetorische Frage „Wer möcht′ geboren werden, / Hielt′st Du nicht droben Haus!“ lenkt den Blick auf eine höhere Macht, auf Gott. Diese Zeilen drücken die Erkenntnis aus, dass nur der Glaube an eine ewige Heimat, an das „droben Haus“, dem menschlichen Leid einen Sinn geben kann.

Die letzte Strophe bringt die Auflösung der Melancholie. Die Zeilen „Du bist′s, der, was wir bauen, / Mild über uns zerbricht“ deuten auf die Akzeptanz der Vergänglichkeit durch die gnädige Hand Gottes hin. Das Zerbrechen irdischer Werte ermöglicht uns, den Himmel zu schauen, also eine tiefere, spirituelle Erkenntnis zu erlangen. Daher schließt das Gedicht mit dem Vers „Darum so klag′ ich nicht“, einer Erklärung des Friedens und der Hingabe an den Willen Gottes, der Trost und Sinn in der Vergänglichkeit bietet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.