Es weiß und rät es doch keiner

Joseph von Eichendorff

1857

Es weiß und rät es doch keiner, Wie mir so wohl ist, so wohl! Ach, wüßt es nur einer, nur einer, Kein Mensch es sonst wissen soll!

So still ist′s nicht draußen im Schnee, So stumm und verschwiegen sind Die Sterne nicht in der Höh, Als meine Gedanken sind.

Ich wünscht′, es wäre schon Morgen, Da fliegen zwei Lerchen auf, Die überfliegen einander, Mein Herz folgt ihrem Lauf.

Ich wünscht′, ich wäre ein Vöglein Und zöge über das Meer, Wohl über das Meer und weiter, Bis daß ich im Himmel wär!

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Illustration zu Es weiß und rät es doch keiner

Interpretation

Das Gedicht "Es weiß und rät es doch keiner" von Joseph von Eichendorff handelt von einer tiefen inneren Freude und Sehnsucht, die der Sprecher empfindet, aber für sich behalten möchte. Die erste Strophe verdeutlicht, dass diese Gefühle so persönlich und intensiv sind, dass nur eine einzige Person sie verstehen sollte, während alle anderen davon ausgeschlossen bleiben. Die Metapher der stillen, verschwiegenen Gedanken in der zweiten Strophe verstärkt die Intimität und Tiefe dieser Empfindungen, die selbst die Stille des Schnees und die Ruhe der Sterne übertreffen. Die dritte Strophe führt eine Sehnsucht nach dem Morgen ein, symbolisiert durch das Bild der aufsteigenden Lerchen. Die Lerchen, die einander überfliegen, stehen für Freiheit und Leichtigkeit, und das Herz des Sprechers folgt ihrem Flug, was auf eine tiefe emotionale Verbundenheit und das Streben nach einem höheren, befreiten Zustand hindeutet. Diese Sehnsucht nach Freiheit und Transzendenz wird in der letzten Strophe noch verstärkt, als der Sprecher sich wünscht, ein Vögelchen zu sein, das über das Meer und weiter bis in den Himmel fliegen kann. Das Gedicht vermittelt somit eine Reise von innerer Freude über die Sehnsucht nach Freiheit bis hin zum Wunsch nach vollkommener Transzendenz. Eichendorffs Verwendung von Naturbildern und Metaphern schafft eine poetische und emotionale Landschaft, die die tiefe, oft unaussprechliche Natur menschlicher Sehnsüchte und innerer Erfahrungen einfängt.

Schlüsselwörter

wünscht wäre meer weiß rät keiner wüßt kein

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Stilmittel

Anapher
Es weiß und rät es doch keiner, / Wie mir so wohl ist, so wohl! / Ach, wüßt es nur einer, nur einer, / Kein Mensch es sonst wissen soll!
Metapher
Ich wünscht', ich wäre ein Vöglein / Und zöge über das Meer, / Wohl über das Meer und weiter, / Bis daß ich im Himmel wär!
Vergleich
So still ist's nicht draußen im Schnee, / So stumm und verschwiegen sind / Die Sterne nicht in der Höh, / Als meine Gedanken sind.
Wunsch
Ich wünscht', es wäre schon Morgen, / Da fliegen zwei Lerchen auf, / Die überfliegen einander, / Mein Herz folgt ihrem Lauf.