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Du Paradies

Von

O′ Paradies, daß ich dich liegen wüßte
An jenem Berge, jener Küste –
Wo die Aufgang-Sonne bluterglüht,
Wo das Nachtgewölbe Sterne sprüht –
O′ daß ich′s wüßte –

Ich wollte, wie ich bin, aus meinem Alltag,
Nach meinen siebzig Jahren, am Verfalltag,
Gebeugt von schwerem Leben, Arbeit, Sünde,
Noch pilgern in die fernen Morgengründe –
Zu dir, o Paradies – –

Will wandern, wenn die Stadt im Abend dunkelt –
Ein Stern mag sein, der vor dem Wege funkelt – –
Ich warte unter Lichtgewimmel,
Daß der neue Morgenhimmel
Bald erblüht –

Und dann! – Sieh da liegt im Gottesmorgen
Das gelobte Land! Friedestill, verborgen
Hinter Bäumen, schimmert die Goldblumenwiese –
Und – da steh ich schon in Sonne vor dem Paradiese
An der Pforte –

Da tut sich urschön auf der Herrgottsgarten,
Und meine siebzig Jahre warten,
Daß aus dem Blumengrund ein selig Leuchten käme,
Die Pforte öffne und an die Hand mich nähme
Wie einst als Kind.

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Gedicht: Du Paradies von Gerrit Engelke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Du Paradies“ von Gerrit Engelke ist eine sehnsüchtige Betrachtung über das Paradies, eingebettet in die Erwartung des Todes und die Hoffnung auf Erlösung. Der Autor formuliert seinen Wunsch nach dem Paradies als eine Sehnsucht nach einem konkreten Ort, den er jedoch nicht kennt („O‘ Paradies, daß ich dich liegen wüßte“). Dies unterstreicht die Unerreichbarkeit und Mystik, die mit dem Paradies verbunden werden. Der Gebrauch von Bildern wie „Aufgang-Sonne bluterglüht“ und „Nachtgewölbe Sterne sprüht“ schafft eine eindringliche Atmosphäre, die sowohl von Schönheit als auch von Vergänglichkeit geprägt ist.

Die zweite Strophe verdeutlicht die persönliche Bedeutung dieser Sehnsucht. Der Sprecher, gezeichnet von „schwerem Leben, Arbeit, Sünde“, ist am Ende seines Lebens angelangt. Trotz der physischen Gebrechlichkeit und der Bürde des Lebens wünscht er sich, noch bis ins Paradies pilgern zu können. Dies unterstreicht die spirituelle Bedeutung der Sehnsucht, die über die irdischen Erfahrungen hinausgeht. Der Wunsch, trotz des Alters und der Mühsal den Weg ins Paradies zu finden, zeigt eine tiefe Hoffnung auf Trost und Erlösung.

Die dritte Strophe beschreibt die Vorbereitung auf die Reise, die mit der Dämmerung der irdischen Welt beginnt, symbolisiert durch „wenn die Stadt im Abend dunkelt“. Der „Stern“, der vor dem Weg „funkelt“, kann als Hoffnungsträger oder als Führer auf dem Weg ins Jenseits interpretiert werden. Die Erwartung des „neuen Morgenhimmels“ spiegelt die Hoffnung auf einen Neubeginn und die Verheißung des Paradieses wider. Der Sprecher wartet geduldig und hoffnungsvoll auf den Moment des Übergangs, in dem sich die Türen zum Paradies öffnen.

Die abschließende Strophe kulminiert in der Ankunft an der Pforte des Paradieses. Die Erwartung des Sprechers wird durch die Schönheit und den Frieden des „Gottesmorgens“ erfüllt. Die „Goldblumenwiese“ und der „urschöne“ Garten stehen für die Verheißung der Glückseligkeit. Das „selig Leuchten“, das aus dem Blumengrund kommt, symbolisiert die göttliche Gnade und die Erlösung. Der letzte Vers, „Da tut sich urschön auf der Herrgottsgarten, / Und meine siebzig Jahre warten, / Daß aus dem Blumengrund ein selig Leuchten käme, / Die Pforte öffne und an die Hand mich nähme / Wie einst als Kind,“ betont die Sehnsucht nach einer kindlichen Unschuld und die Rückkehr in einen Zustand der Geborgenheit und des Friedens. Das Gedicht ist somit ein eindringlicher Ausdruck der Hoffnung auf Erlösung und des Glaubens an ein Leben nach dem Tod.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.