Ich bin nur ein Tropfen
1921Ich kam aus den Meeren, ich kam aus der Sonne, ich kam aus dem Wind, Die alle mir Urväter und Mütter sind; Aus fallenden Zeiten, aus ewiger Nacht ein lallendes Werde, Ein schillernder Tropfen, ein hilfloses Kind, Geworfen auf winzigen Fleck der Erde. Ein Häuflein Jahre des Lebens, Gefäß des Kummers und freudig flutenden Bebens, Ein kreisendes Stündlein vor ewiger Zeit. O halte, Weltanfang und -Ende mich immer in Demut bereit, Ich kam aus den Meeren, aus Sonne und Wind, Und bin nur ein Kind.
Ist es nicht immer genug: Daß dich ein herbstlich verblutender Baum, Hintaumelnder Vogelflug, Entzündeter Abendwolken Schaum, Ein schluchzend einfältiglich Lied, Das über engende Höfe flieht, In gottvolle Armut und Nacktheit entrückt, Unendlich beglückt!
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Interpretation
Das Gedicht "Ich bin nur ein Tropfen" von Gerrit Engelke thematisiert die Kleinheit und Vergänglichkeit des menschlichen Daseins im Vergleich zur Unendlichkeit des Universums. Der Sprecher sieht sich selbst als einen winzigen Tropfen, geworfen auf einen winzigen Fleck der Erde, der aus den Meeren, der Sonne und dem Wind hervorgegangen ist. Er fühlt sich als hilfloses Kind, das nur für eine kurze Zeit existiert, bevor es in der Ewigkeit verschwindet. Der Sprecher bittet das Weltanfang und -ende, ihn immer in Demut bereit zu halten. Er erkennt an, dass er nur ein kleiner Teil des großen Ganzen ist und dass er sich demütig vor der Größe des Universums verhalten sollte. Die Metapher des Tropfens unterstreicht die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens. Im zweiten Teil des Gedichts findet der Sprecher Trost und Erfüllung in der Schönheit der Natur und der Kunst. Er beschreibt, wie ein herbstlicher Baum, ein Vogelflug, Abendwolken und ein einfältiges Lied ihn in "gottvolle Armut und Nacktheit" versetzen und ihn "unendlich beglücken". Diese Elemente der Natur und der Kunst ermöglichen es dem Sprecher, sich mit etwas Größerem zu verbinden und einen Moment der Transzendenz zu erleben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- O halte, Weltanfang und -ende mich immer in Demut bereit
- Hyperbel
- Unendlich beglückt
- Metapher
- In gottvolle Armut und Nacktheit entrückt
- Personifikation
- Die alle mir Urväter und Mütter sind