Die Zeit geht schnell
Lieb Vöglein, vor Blüten
Sieht man dich kaum!
Vom dämmernd beglühten
Flüsternden Baum,
Wann von blitzenden Funken
Sprühn Täler und Quell,
Singst du frühlingstrunken –
Aber die Zeit geht schnell.
Wie balde muß lassen
Sein′ Blätter der Wald,
Die Blumen erblassen,
Die Gegend wird alt,
Erstarrt ist im Eise
Der muntere Quell –
Rüst die Flügel zur Reise,
Denn die Zeit geht schnell!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Die Zeit geht schnell“ von Joseph von Eichendorff ist eine melancholische Betrachtung über die Vergänglichkeit und den unaufhaltsamen Lauf der Zeit. Es beginnt mit einer idyllischen Szene des Frühlings, in der das liebliche Vöglein inmitten blühender Bäume und sprudelnder Quellen seinen Gesang anstimmt. Die Worte „frühlingstrunken“ erzeugen ein Bild von unbeschwerter Freude und Natürlichkeit. Die Wiederholung des Satzes „Aber die Zeit geht schnell“ wirkt jedoch wie ein Dämpfer dieser heiteren Stimmung und deutet auf eine bevorstehende Veränderung hin.
Der zweite Teil des Gedichts verlagert den Fokus auf den Herbst und den Winter. Der einst grüne Wald verliert seine Blätter, die Blumen verwelken und die Gegend wird alt und grau. Die ehemals munteren Quellen erstarren im Eis, was die Vergänglichkeit der Schönheit und des Lebens unterstreicht. Diese bildhafte Darstellung des Verfalls der Natur dient als Metapher für den Lauf der Zeit, die alles verändert und letztendlich vergehen lässt. Die Natur, die im Frühling voller Leben war, wird im Winter unfruchtbar und kalt.
Die Zeile „Rüst die Flügel zur Reise“ ist ein Aufruf zur Aktivität und Anpassung angesichts der unvermeidlichen Vergänglichkeit. Das Vöglein, das den Frühling in seiner vollen Blüte erlebt hat, wird nun aufgefordert, sich auf die Reise vorzubereiten und die kalten Jahreszeiten zu überwinden. Dies kann als eine Aufforderung an den Leser verstanden werden, die Veränderungen des Lebens anzunehmen und sich ihnen anzupassen. Die Zeit, so die Botschaft des Gedichts, eilt dahin, und es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein und die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen.
Insgesamt ist das Gedicht eine Reflexion über die menschliche Erfahrung der Zeit und des Wandels. Eichendorff verwendet die Natur als Spiegelbild des menschlichen Lebenszyklus, von der Blüte bis zum Verfall. Die einfache, fast volksliedhafte Sprache verstärkt die emotionale Wirkung des Gedichts und macht seine Botschaft von der Unaufhaltsamkeit der Zeit und der Notwendigkeit, das Leben anzunehmen und zu genießen, umso eindringlicher. Die Melancholie des Gedichts liegt in der Erkenntnis, dass nichts von Dauer ist, aber auch in der Aufforderung, die Schönheit der gegenwärtigen Momente zu schätzen.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.