Die Spielleute
Frühmorgens durch die Klüfte
Wir blasen Viktoria!
Eine Lerche fährt durch die Lüfte:
»Die Spielleut sind schon da!«
Da dehnt ein Turm und reckt sich
Verschlafen im Morgengrau,
Wie aus dem Traume streckt sich
Der Strom durch die stille Au,
Und ihre Äuglein balde
Tun auf die Bächlein all
Im Wald, im grünen Walde,
Das ist ein lustger Schall!
Das ist ein lustges Reisen,
Der Eichbaum kühl und frisch
Mit Schatten, wo wir speisen,
Deckt uns den grünen Tisch.
Zum Frühstück musizieren
Die muntern Vögelein,
Der Wald, wenn sie pausieren,
Stimmt wunderbar mit ein,
Die Wipfel tut er neigen,
Als gesegnet′ er uns das Mahl,
Und zeigt uns zwischen den Zweigen
Tief unten das weite Tal.
Tief unten da ist ein Garten,
Da wohnt eine schöne Frau,
Wir können nicht lange warten,
Durchs Gittertor wir schaun,
Wo die weißen Statuen stehen,
Da ists so still und kühl,
Die Wasserkünste gehen,
Der Flieder duftet schwül.
Wir ziehn vorbei und singen
In der stillen Morgenzeit,
Sie hörts im Traume klingen,
Wir aber sind schon weit.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Die Spielleute“ von Joseph von Eichendorff beschreibt eine Szene, in der reisende Spielleute in einer idyllischen Naturlandschaft unterwegs sind. Der Fokus liegt auf der Freude und Freiheit der Musiker, die mit ihren Liedern die Natur zum Leben erwecken und die Menschen in ihren Bann ziehen. Der Titel deutet bereits auf die zentrale Rolle der Spielleute hin, die durch ihre Musik die Welt verschönern und eine besondere Verbindung zur Natur und den Menschen herstellen.
Das Gedicht beginnt mit einem Aufbruchssignal, dem „Frühmorgens durch die Klüfte“, das die Spielleute ankündigt und die Atmosphäre der Frische und des Neubeginns betont. Die „Viktoria!“ im ersten Vers deutet auf einen freudigen und triumphierenden Einzug hin. Die Lerche, die durch die Lüfte fährt, verstärkt die Stimmung des Aufbruchs und der Freude. Die spielerische Interaktion mit der Natur, wie etwa das Erwachen des Turms oder der sanfte Fluss des Stroms, deutet auf eine enge Verbundenheit der Spielleute mit ihrer Umgebung hin. Die Natur wird zum Resonanzraum ihrer Musik und zum Spiegelbild ihrer Lebensfreude.
Der zweite Abschnitt beschreibt das Leben der Spielleute auf ihrer Reise, das von unbeschwerter Freude und der Harmonie mit der Natur geprägt ist. Der grüne Tisch unter dem Eichbaum symbolisiert die Einfachheit und Unbeschwertheit ihres Lebens. Die Vögel, die zum Frühstück musizieren, und der Wald, der mitsingt, zeigen, wie die Musik der Spielleute die Natur mit einbezieht und eine harmonische Einheit schafft. Diese Szene vermittelt ein Gefühl der Freiheit, der Leichtigkeit und der Verbundenheit mit der Natur, das typisch für die Romantik ist.
Im dritten Abschnitt wird ein Blick auf eine Gartenidylle geworfen, in der eine schöne Frau wohnt. Die Spielleute verweilen kurz, singen vor dem Gartentor und ziehen dann weiter. Die Begegnung mit der Frau und ihrem Garten ist flüchtig und traumhaft. Sie symbolisiert vielleicht eine Sehnsucht nach Schönheit und Geborgenheit, aber die Spielleute sind frei und untrennbar mit ihrem Wanderleben verbunden. Das Gedicht schließt mit dem Bild der Spielleute, die bereits wieder unterwegs sind, während die Frau ihren Gesang im Traum vernimmt, und unterstreicht so das ungebundene Wesen der Spielleute.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.