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Der neue Columbus

Von

Freundin! – sprach Columbus – traue
keinem Genueser mehr!
Immer starrt er in das Blaue –
Fernstes lockt ihn allzusehr!

Fremdestes ist nun mir teuer!
Genua, das sank, das schwand –
Herz, bleib kalt! Hand, halt das Steuer!
Vor mir Meer – und Land? – und Land? —

Stehen fest wir auf den Füßen!
Nimmer können wir zurück!
Schaun hinaus: von fernher grüßen
Uns Ein Tod, Ein Ruhm, Ein Glück!

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Gedicht: Der neue Columbus von Friedrich Nietzsche

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der neue Columbus“ von Friedrich Nietzsche ist eine kurze, prägnante Reflexion über Aufbruch, Entdeckung und das Verlassen der Heimat, um neuen Horizonten entgegenzutreten. Es ist ein Appell an die Abenteuerlust und den Mut, das Vertraute hinter sich zu lassen und sich dem Unbekannten zu stellen. Der Titel deutet bereits auf eine Analogie zu Christoph Kolumbus hin, der sich aufmachte, neue Welten zu entdecken. Nietzsche nutzt diese Metapher, um von einer inneren Entdeckungsreise, einer Suche nach neuen Erfahrungen und Werten zu sprechen.

Der erste Vers, „Freundin! – sprach Columbus – traue / keinem Genueser mehr!“, deutet auf eine Abwendung von alten Bindungen und der Heimatstadt Genua hin. Die Warnung „keinem Genueser mehr!“ könnte als eine Absage an die konventionellen Werte und die Enge des Gewohnten interpretiert werden. Columbus, der hier als Repräsentant des „neuen“ Menschen dient, wendet sich von seiner Vergangenheit ab und wendet sich dem Fernen zu. Die Zeilen „Immer starrt er in das Blaue – / Fernstes lockt ihn allzusehr!“ unterstreichen die Sehnsucht nach dem Unbekannten und die Faszination für das, was außerhalb der eigenen Komfortzone liegt.

Die zweite Strophe verstärkt diese Thematik. „Fremdestes ist nun mir teuer! / Genua, das sank, das schwand -“ drückt deutlich die Abkehr von der Vergangenheit aus. Genua, die alte Heimat, wird als etwas, das „versank“ und „schwand“ dargestellt, was die Unwichtigkeit und den Verlust des Alten symbolisiert. Die folgenden Zeilen, „Herz, bleib kalt! Hand, halt das Steuer! / Vor mir Meer – und Land? – und Land? —“ sind ein Aufruf zur Selbstbeherrschung und zur Konzentration auf das Ziel. Das „Meer“ und das „Land“ stehen für die Ungewissheit und die Risiken, die mit dem Aufbruch verbunden sind, aber auch für die Möglichkeiten der Entdeckung.

Die letzte Strophe ist eine Art Fazit und eine Ermutigung für den Aufbruch. „Stehen fest wir auf den Füßen! / Nimmer können wir zurück!“ betont die Entschlossenheit und das Vorwärtsstreben. „Schaun hinaus: von fernher grüßen / Uns Ein Tod, Ein Ruhm, Ein Glück!“ thematisiert die unabdingbare Verbundenheit von Leid, Ruhm und Glück, die auf diesem Weg zu erwarten sind. Der „Tod“ kann dabei als Metapher für das Ende des alten Lebens, für die Überwindung von Ängsten und das Eingehen von Risiken verstanden werden. Der „Ruhm“ und das „Glück“ repräsentieren die Belohnung für den Mut, sich dem Unbekannten zu stellen und neue Erfahrungen zu machen. Nietzsche präsentiert hier somit eine optimistische Botschaft über das Streben nach neuen Horizonten.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.