Der Einsame

Friedrich Nietzsche

1844

Verhaßt ist mir das Folgen und das Führen. Gehorchen? Nein! Und aber nein - Regieren! Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand Schrecken: Und nur wer Schrecken macht, kann andre führen. Verhaßt ist mirs schon, selber mich zu führen! Ich liebe es, gleich Wald- und Meerestieren, mich für ein gutes Weilchen zu verlieren, in holder Irrnis grüblerisch zu hocken, von ferne her mich endlich heimzulocken, mich selber zu mir selber - zu verführen.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Einsame" von Friedrich Nietzsche handelt von einem Menschen, der Unabhängigkeit und Freiheit von äußeren Zwängen und Einflüssen sucht. Der Sprecher lehnt sowohl das Folgen als auch das Führen ab und betont, dass er sich nicht gerne unterordnen oder andere beherrschen möchte. Er strebt danach, sich selbst zu finden und zu verstehen, ohne von anderen beeinflusst zu werden. Der Sprecher vergleicht sich mit Tieren im Wald und auf dem Meer, die sich für eine Weile verlieren und in ihrer eigenen Welt versinken. Er genießt es, in grüblerischem Nachdenken zu versinken und sich von der Ferne heimholen zu lassen. Dieses Verlieren in sich selbst ist ein Akt der Selbstverführung, bei dem er sich selbst zu sich selbst führt. Das Gedicht vermittelt eine Sehnsucht nach innerer Einkehr und Selbstfindung. Der Sprecher strebt danach, sich von äußeren Einflüssen zu befreien und in sich selbst zu ruhen. Er sucht nach einem Zustand, in dem er sich selbst genügt und nicht von anderen abhängig ist.

Schlüsselwörter

führen selber verhaßt macht schrecken folgen gehorchen regieren

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Nein! Und aber nein -
Antithese
Verhaßt ist mir das Folgen und das Führen.
Bedingungssatz
Und nur wer Schrecken macht, kann andre führen
Metapher
gleich Wald- und Meerestieren
Paradox
Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand Schrecken
Personifikation
mich selber zu mir selber - zu verführen